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Otoplastik

Die große Auswahl

Worauf es bei geeignetem Gehörschutz ankommt und wie man ihn richtig benutzt
Von Claudia Mattke
Akzente 4.2017 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Einweg- und Mehrwegstöpsel, Otoplastiken, Kapselgehörschützer, Gehörschutz mit pegelabhängiger Dämmung oder mit speziellen Frequenzfiltern: Bei der Auswahl von persönlichem Gehörschutz müssen Unternehmen einiges berücksichtigen, damit er die Mitarbeiter optimal schützt und sie ihn auch konsequent tragen.


T rotz umfangreicher Lärmminderungsmaßnahmen gibt es in der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie noch viele Lärmbereiche – vor allem in Produktionsanlagen. In diesen Bereichen muss Gehörschutz getragen werden. Immer wieder aber kommen Mitarbeiter dieser Tragepflicht nicht nach. Ihre Begründungen sind vielfältig und sollten vom Unternehmen ernst genommen werden. So kann die Aussage "die Stöpsel drücken" tatsächlich ein Hinweis auf eine schlechte Passform sein. Es kann aber auch daran liegen, dass der Mitarbeiter die Stöpsel nicht richtig einsetzt. Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern geeigneten persönlichen Gehörschutz zur Verfügung stellen (LärmVibrationsArbSchV). Was bedeutet hier eigentlich geeignet?

Dipl.-Ing. Claudia Mattke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der BGN-Prävention und berät Mitgliedsbetriebe bei Fragen zu Lärm und Vibrationen.

Auf die richtige Schalldämmung achten
Wichtigstes Kriterium bei der Gehörschutzwahl ist die Schalldämmung. Hier gilt: Der hinter dem Gehörschutz am Ohr wirksame Pegel soll zwischen 70 und 80 dB(A) liegen. Ein Pegel unter 70 dB(A) führt zu einer Überprotektion. Ein Pegel über 80 dB(A) schützt das Gehör nicht ausreichend. In den meisten Lärmbereichen der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie werden mittlere Schalldruckpegel von 85 bis 90 dB(A) ermittelt. Am Eingang vieler Lärmbereiche hält eine Spenderbox Gehörschutzstöpsel für Mitarbeiter und Besucher bereit. Ein Großteil dieser Einwegstöpsel hat einen Schalldämmungswert von ca. 30 dB. Passt diese Schalldämmung zu den Schalldruckpegeln von 85 bis 90 dB(A)? Mit einem modifizierten HML-Check kann man überschlägig den am Ohr wirksamen Pegel berechnen (siehe Kasten Seite 6). Bei den vorliegenden Werten wäre ein Schalldämmungswert von 30 dB zu hoch. Die Gehörschutzhersteller haben inzwischen dem Trend sinkender Schalldruckpegel in den Lärmbereichen entsprochen und bieten auch Ein- und Mehrwegstöpsel mit Schalldämmungswerten von ca. 20 dB an.

v. l. n. r.: 1. Bild: Otoplastik, 2. Bild: Pegelabhängig dämmender Kapsel­gehörschutz, 3. Bild: Pegelabhängig dämmender Mehrwegstöpsel