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Presseinformationen 2015

22. Juli 2015

Kein Sicherheitsgewinn durch Pflichtuntersuchungen

Ältere keine besondere Risikogruppe im Straßenverkehr

In weiten Teilen der Öffentlichkeit besteht die Ansicht, dass Senioren als Autofahrer per se ein Risiko darstellen. Dass dem nicht so ist, darauf weist die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) in ihrem Mitteilungsblatt hin1. Die gesetzliche Unfallversicherung bezieht sich dabei auf aktuelle Studien zum Verkehrsgeschehen2,3,4,5 und bricht so eine Lanze auch für ältere Mitarbeiter ihrer Mitgliedsbetriebe, die bei ihrer Arbeit auf das Auto angewiesen sind. Sie leitet Empfehlungen ab, was Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter und ältere Autofahrer für ihre Fahrfitness tun können.

Kein Sicherheitsgewinn durch Pflichtuntersuchungen
Im Einzelnen: Ältere fahren oft deutlich vorsichtiger und weniger risikobereit. Sie neigen weniger zu einem aggressiven Fahrstil und zeichnen sich durch ein höheres Maß an Gelassenheit, Erfahrung und Routine aus. Außerdem fahren sie seltener bei Dunkelheit und schwierigen Witterungsbedingungen. Sie meiden hohe Verkehrsdichten, fahren insgesamt weniger Auto und auch nicht so lange Strecken wie Jüngere. Sie gleichen Leistungseinbußen durch eine zurückhaltende, vorsichtige und langsame Fahrweise aus. Dadurch verschaffen sie sich mehr Zeit für Informationsverarbeitung und Reaktion. All dies trägt dazu bei, dass Senioren 65+ am Steuer keine besondere Risikogruppe darstellen. Sie verursachen weniger Unfälle mit Personenschaden als jede andere Altersgruppe.
Dennoch besteht oftmals Skepsis gegenüber Senioren als Autofahrer. In diesem Zusammenhang werden gelegentlich medizinisch-psychologische Pflichtuntersuchungen ab einem bestimmten Alter gefordert. In Vergleichsstudien ließen sich jedoch keine Sicherheitsgewinne durch diese Untersuchungen feststellen.

Spielräume für Mobilitätsentscheidungen
Leistungseinbußen lassen sich durch ein verändertes Mobilitäts- und Fahrverhalten kompensieren. Für die eigene Mobilität und Sicherheit ist es wichtig, dass man als Autofahrer selbstkritisch Leistungseinbußen erkennt, seine Fahrtüchtigkeit realistisch einschätzt und dementsprechend handelt. Allerdings braucht man dafür entsprechende Handlungsspielräume. Wenn Vorgaben der Arbeitswelt, also z.B. ein pünktlicher Arbeitsbeginn, nicht dagegen sprechen, sollten Betriebe älteren Mitarbeitern möglichst große Spielräume für Mobilitätsentscheidungen einräumen, so dass sie sichere und kluge Entscheidungen treffen können. Einige Beispiele für solche Entscheidungen: auf Nachtfahrten verzichten, Stress und Zeitdruck beim Fahren vermeiden, alternative Verkehrsmittel nutzen, bei Langstreckenfahrten Übernachtungen einplanen. All das trägt zur sicheren Verkehrsteilnahme bei – nicht nur bei Älteren.

1Geiler, M. (2015): Bewusst und sicher mobil. BGN Akzente 4/2015. Im Internet: http://bgn.de/9339

2Falkenstein M. et al. (2014): Erkenntnisstand zu Verkehrssicherheitsmaßnahmen für ältere Verkehrsteilnehmer. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen. Mensch und Sicherheit. Heft M 248.

3Rompe, K.O. (2014): Bestimmung elektronischer Pkw-Sicherheitssysteme mit besonderem Nutzen für Senioren durch detaillierte Betrachtung des Unfallgeschehens,. In: Zeitschrift für Verkehrssicherheit 60,(2014),Nr. 4, S. 214 ff.

4Projekt Consol http://www.consolproject.eu/attachments/article/16/CONSOL%20Report_WP5.1_final.pdf

5Bundesanstalt für Straßenwesen http://www.bast.de/DE/FB-U/Publikationen/Veranstaltungen/U-Ageing-2014/Downloads- Presentations/Rudinger-Vortrag.pdf

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