27.07.2016, 02:44 Uhr » Home
Wenn Gabelstapler Fußgänger anfahren: Ursachen und Präventionsmaßnahmen
Wenn Gabelstapler Fußgänger anfahren

Wenn Gabelstapler Fußgänger anfahren: Ursachen und Präventionsmaßnahmen

Stark trifft Schwach

Gabelstapler sind stark, schnell, wendig und unentbehrliche Helfer in den Lagerund Ladebereichen von Unternehmen. Gabelstapler sind aber auch eine Unfallquelle mit hohem Gefährdungspotenzial, wie die rund 12.000 jährlichen Staplerunfälle in Deutschland zeigen. In den meisten Fällen werden Fußgänger angefahren. Das hat verschiedene Ursachen. Häufig spielen sie ineinander.


Die meisten Gabelstaplerunfälle sind Unfälle, bei denen Fußgänger vom Stapler angefahren, überfahren oder eingequetscht werden. Am häufigsten geschehen solche Unfälle beim Rückwärtsfahren oder Zurücksetzen. Unzureichende Sichtverhältnisse führen jedoch auch immer wieder zu Unfällen, bei denen Fußgänger von vorwärtsfahrenden Staplern angefahren werden.

Die Unfallursachen
Gabelstaplerunfälle sind überwiegend auf falsches Verhalten zurückzuführen, insbesondere auf das Fehlverhalten von Staplerfahrern, aber auch von Fußgängern. Detaillierte Unfalluntersuchungen zeigen allerdings immer wieder, dass zusätzlich zum Fehlverhalten meistens auch noch sicherheitswidrige Zustände und organisatorische Mängel für den Unfall mitverantwortlich sind.

Vom Stapler angefahren
Anhand nachfolgender Unfallbeispiele sollen Möglichkeiten einer Optimierung der Prävention in den Bereichen Lager und Verladung vorgestellt werden. Außerdem soll eine Hilfestellung bei der Gefährdungsbeurteilung gegeben werden.

Unfall 1: Rückwärts ohne Sicht
Lagermeister F. wurde in der Verladehalle von einem rückwärtsfahrenden Stapler erfasst und auf den Hallenboden geworfen. Sein rechtes Fußgelenk wurde unter der Gelenkwelle der linken Hinterachse eingeklemmt. Um ihn zu befreien, mussten mehrere Kollegen den Stapler anheben. F. zog sich eine Risswunde am rechten Unterschenkel zu. Der Lagermeister hatte dem Staplerfahrer in der Halle einen Kommissionierauftrag übergeben und war auf dem Rückweg zu seinem Büro.

Wenn Gabelstapler Fußgänger anfahren: Ursachen und Präventionsmaßnahmen
Wenn Gabelstapler Fußgänger anfahren: Ursachen und Präventionsmaßnahmen


Unfall 2: Im toten Winkel
Versandmitarbeiter J. scannte zu verladende Paletten, als ihm ein Stapler über den Fuß fuhr. Ein Staplerfahrer hatte zuvor eine Palettencharge bei ihm abgeladen und wollte weitere Paletten holen. Als er zügig anfuhr und direkt nach rechts abbog, überrollte ein Hinterrad des Staplers den Fuß des Mitarbeiters. Er hatte direkt neben dem anfahrenden Stapler gestanden. Fuß und Sprunggelenk wurden zertrümmert. Es mussten drei Zehen amputiert werden.

Unfall 3: Abgelenkt
Lagerarbeiter G. zählte im Außenbereich Leergut, als er von einem Stapler angefahren und umgestoßen wurde. Der Staplerfahrer hatte ihn übersehen, weil er sich auf einen entgegenkommenden Stapler konzentriert hatte. Dieser hatte gehupt und war rechts an ihm vorbeigefahren. G. erlitt Prellungen am ganzen Körper.

Komplexe Ursachen
Die Auswertung der geschilderten Unfälle fördert komplexe Ursachen zu Tage, die über das Fehlverhalten der Beteiligten hinausgehen. Diese Ursachen lassen sich als mangelhafte betriebliche Organisation zusammenfassen. Im Einzelnen lässt sich feststellen:
  • In den drei geschilderten Fällen befinden sich Personen im Lade- und Rangierbereich. Sie halten sich dort nicht versehentlich auf, sondern weil sie mit dem Scannen der Ladung, dem Zählen von Leergut oder mit der Arbeitseinteilung beschäftigt sind.
  • Die Tätigkeiten der Fußgänger und der Staplerfahrer sind nicht räumlich voneinander getrennt.
  • Auch schlechte Sichtverhältnisse z. B. auf dem Stapler und am Stapler oder durch im Verkehrsweg abgestellte Paletten sind unfallbegünstigende Faktoren.
  • Eine nicht angepasste Geschwindigkeit spielt ebenfalls eine Rolle.
Organisatorische und technische Maßnahmen
Auch für den Betrieb von Gabelstaplern muss eine Gefährdungsbeurteilung erstellt und immer wieder aktualisiert werden. Hierbei müssen die Sichtverhältnisse des Staplerfahrers eingehend untersucht und beurteilt sowie entsprechende Maßnahmen festgelegt werden.

Um Unfälle zwischen Fußgängern und Gabelstaplern zu vermeiden, muss das betriebliche Umfeld organisatorisch und technisch so gestaltet sein, dass Stapler und Fußgänger möglichst nicht aufeinandertreffen. Das heißt: getrennte Verkehrswege für Stapler und Fußgänger sowie eine Trennung von Verladetätigkeiten und Fußgängerverkehr.

Weitere Maßnahmen sind:
  • Optische Hilfsmittel wie Spiegel und Hohlspiegel
  • Kennzeichnung der Verkehrswege
  • Gute Beleuchtung
  • Warnwesten
  • Angepasste Geschwindigkeit
Außerdem tragen verschiedene technische Hilfsmittel dazu bei, die Sicherheit im Staplerverkehr zu erhöhen. Dazu gehören z. B. Bewegungsmelder an Hallenaus- und -einfahrten, automatische Schrankensysteme mit Rundum-Leuchten an gefährlichen Kreuzungen oder akustische Rückfahrsignale am Stapler, die Fußgänger warnen.

Die BGN vergibt 6 Prämienpunkte für Zusatzausstattungen an Staplern, die Fahrern möglichst uneingeschränkte Sicht verschaffen. Hierzu gehören Kamera-Monitor-Systeme, Radar-, Infrarot- oder Ultraschallsysteme zur Rückraumüberwachung. Außerdem ein blauer Lichtpunkt (Blue Spot), der einem rückwärtsfahrenden Stapler vorauseilt und herannahende Fußgänger auf die Gefahr aufmerksam macht.

Mehr Sicherheit im Staplerverkehr und möglichst uneingeschränkte Sicht von Staplerfahrern verschafft zusätzliches Equipment am Stapler. Die BGN vergibt 6 Prämienpunkte an Unternehmen, die ihre Stapler mit solch zusätzlichem Equipment ausrüsten.

Navigator

Das können Sie von uns erwarten

Der Leistungskatalog der BGN

 

Arbeits- und Wegeunfall

Was ist zu tun, wenn ein Unfall geschehen ist: Unfallanzeige, Ansprechpartner und Durchgangsarzt

 

Service-Center

Bei allen Fragen zu Mitgliedschaft und Beitrag.

 

Berufskrankheit - was tun?

Was sind Berufskrankheiten und wann ist eine Berufskrankheitenanzeige zu erstatten.

 

Medienservice

Im Medienshop bestellen Sie alle Medien, die ihnen die BGN zur Verfügung stellt.

 

Newsletter-Abo

Informationen per Mausklick. Abonnieren Sie hier unseren Newsletter und bleiben Sie immer gut informiert.

 

So erreichen Sie uns

E-Mail - Fon - Fax - Adressen - Routenplanung