04.02.2012, 09:34 Uhr » Home » Medien » Fachartikel
Th. Wedemeyer nach der erfolgreichen Transplantation
Th. Wedemeyer nach der erfolgreichen Transplantation

So ein Geschenk gibt’s nur einmal

Bei Maschinenunfall Hand abgetrennt | Nach erfolgreicher Replantation schnelle Rückkehr in den Betrieb

von Elfi Braun
Akzente 1/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Bei Arbeiten an einer Milchpulverförderanlage verlor Thomas Wedemeyer seine rechte Hand. Dank der erfolgreichen Replantation bekam er sie zurück. Thomas Wedemeyer ist ein positiv denkender Mensch: »So ein Geschenk gibt’s nur einmal. Ich werde alles tun, damit ich die Hand bald wieder gebrauchen kann.« Mit einem starken Willen und hartem Training hat er es geschafft. Nach 5 Monaten kehrte er zur Arbeit bei der Nordmilch AG in Zeven zurück.


Wenn Thomas Wedemeyer heute von seinem schweren Maschinenunfall im Oktober 2008, bei dem ihm die rechte Hand abgetrennt wurde, erzählt, sieht er es so: »Ich hatte wenige Sekunden Pech und dann nur noch Glück.« Als er am Unfalltag bei abgeschalteter Anlage im Bereich der Förderweiche einer Milchpulverförderanlage eine Verstopfung lösen wollte, wechselte die Weiche in diesem Moment die Position. Er wusste nicht, dass diese Weiche anders als alle anderen zeitversetzt schloss. Er erzählt: »Ich stand auf der Leiter und konnte sehen, wie die Hand immer kleiner wurde.«
Der Maschinenführer Thomas Wedemeyer wusste genau, was hier passierte. Und der Ersthelfer Thomas Wedemeyer wusste genau, was jetzt schnell passieren musste: »Ich sagte zu meinem Kollegen: Holt den Rettungshubschrauber. Und der war an diesem Nachmittag glücklicherweise ganz in der Nähe.« Auch der Notarzt war binnen kürzester Zeit am Unfallort. Inzwischen hatten die Kollegen die Weiche zurückgeschaltet, um Thomas Wedemeyers Hand frei zu bekommen, und den Schwerverletzten erstversorgt.

Schnelle Rückkehr zu Arbeit und Kollegen
Der Hubschrauber brachte ihn ins Klinikum Bremen-Mitte. Dort replantierten eine Oberärztin der Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie und ihr Team die abgetrennte Hand in einer 14-Stunden-Marathon-Operation. Dutzende von Sehnen, Nerven und Blutbahnen mussten sie wieder miteinander verbinden. Thomas Wedemeyer erinnert sich: »Meine Frau und meine Eltern waren da, als ich aufwachte. Ist die Hand da, habe ich sie als erstes gefragt. Ich selbst traute mich nicht hinzusehen. Als sie nickten, wusste ich: Ich werde die Hand wieder benutzen können. Ich werde wieder damit arbeiten können. Und ich brauche sie ja auch als Ersthelfer und Feuerwehrmann.« Thomas Wedemeyer wusste aber auch, dass es bis dahin noch ein mühsamer und langwieriger Weg sein würde. Schon während des Aufenthalts im Bremer Klinikum begann er mit ersten krankengymnastischen Übungen. Sein starker Genesungswille trieb ihn an. Und die vielen Genesungswünsche und Besuche seiner Kollegen motivierten ihn zusätzlich, sich ein erstes Ziel zu stecken: die baldige Rückkehr zur Arbeit und zu den Kollegen. Hier ist er gerne und er weiß, dass das ganze Arbeitsumfeld ihm Kraft geben wird, eisern die Funktionen der Hand weiter zu trainieren. Er erzählt vom Kantinenkoch der Firma, der ihm Suppe ins Krankenhaus schickte, als er hörte, dass er ein großer Suppen-Fan ist.

Eine neue Tätigkeit im alten Umfeld
An den Klinikaufenthalt in Bremen schlossen sich 4 Monate intensive krankengymnastische und ergotherapeutische Trainingstherapie im Berufsgenossenschaftlichen
Thomas Wedemeyer bedient einen Gabelstapler
Unfallkrankenhaus in Hamburg an. Thomas Wedemeyer gab Gas. Immer wieder staunten die Ärzte über seine schnellen Fortschritte. Er erzählt: »4 Wochen nach Beginn der Reha konnte ich schon Büroklammern aufheben. Es war wichtig zu erleben, dass es vorangeht. Auch wenn es am Anfang manchmal nur kleine Schritte waren.«
Als Thomas Wedemeyer nach 5 Monaten – zunächst stundenweise – wieder zu arbeiten anfing, konnte er die Hand kaum einsetzen. Feinmotorik und Sensibilität waren immer noch stark eingeschränkt. An seinen alten Arbeitsplatz als Maschinenführer, an dem auch filigrane Arbeiten mit der Hand anfallen, konnte er nicht zurück. Für die Nordmilch ag war das kein Problem. Joachim Meinke, Leiter Produktion im Zevener Werk von Nordmilch: »Wir haben Thomas schon kurz nach seinem Unfall signalisiert, dass wir auf jeden Fall eine passende Tätigkeit für ihn finden werden. Alle in der Belegschaft, die ihn kennen, freuten sich darauf, dass er bald wieder da sein würde.“
Eine passende Tätigkeit fand Thomas Wedemeyer im Lagerbereich. Dort kümmert er sich um unterschiedliche administrative Abläufe im Versand inklusive Eingaben am Computer. Außerdem be- und entlädt er im Hochregallager Paletten mit dem Gabelstapler.

Arbeiten ist die beste Reha für die Hand
Auch heute, ein gutes Jahr nach dem Unfall, sind die Funktionseinschränkungen der Hand offensichtlich. Thomas Wedemeyer bleibt zuversichtlich und erklärt: »Eine Entwicklung kann noch bis zu 3 Jahren stattfinden. Und Arbeiten ist die beste Reha, weil ich dabei Hand und Finger immer bewegen muss.« Schwierig ist es für ihn zum Beispiel, etwas greifen zu müssen, das er nicht sieht. Er erklärt: »Ich kann beim Greifen die Kraft der Hand nicht einschätzen. Deshalb muss ich das, was ich greifen will, sehen.« Aber auch damit will er sich nicht dauerhaft zufrieden geben und hat auch schon das passende Training gefunden: »Staplerfahren ist das Beste für meine Hand. Hier muss ich genau beobachten, was oben im Regal passiert und kann nicht immer auf die Hand schauen, wenn ich die Hebel bediene. Und das klappt schon ganz gut.«
Thomas Wedemeyer hat trotz des schweren Unfalls und der sein tägliches Leben einschränkenden Folgen seine positive Ausstrahlung nicht verloren. Joachim Meinke ist überzeugt: »Sein positives Denken hat viel zu seiner Genesung beigetragen, und ich bin überzeugt, dass er noch weitere Fortschritte machen wird.«

Die BGN hat Thomas Wedemeyer während der gesamten medizinischen Rehabilitation begleitet und alle Kosten übernommen. Heute zahlt ihm die BGN eine Verletztenrente.