30.05.2016, 06:42 Uhr » Home » Medien » Fachartikel
Raubüberfallopfer Bianca Scholz
Raubüberfallopfer Bianca Scholz

Sie wollten mich töten

Bianca Scholz ist seit einem brutalen Raubüberfall vom Hals abwärts gelähmt

von Elfi Braun
Akzente 2/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Bianca Scholz war 29 Jahre alt, als zwei Jugendliche sie auf dem Nachhauseweg von der Arbeit vor ihrer Arbeitsstelle überfielen und niederstachen. Seitdem ist sie vom Hals abwärts gelähmt und auf Hilfe rund um die Uhr angewiesen. Dennoch hat sie ihr Leben selbstbestimmt im Griff und kann ihm viel Positives abgewinnen.


Ich hatte Glück, das zu überleben«, fängt Bianca Scholz an, ihre Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die vor nahezu 14 Jahren begann und von einem brutalen Überfall nach der Arbeit handelt, der das Leben einer jungen Frau mit gerade abgeschlossenem Studium komplett verändert hat. Zwei Jugendliche, 16 und 18 Jahre alt, überfallen sie gegen Mitternacht auf dem kurzen Weg vom Fitness-Studio, wo sie während ihres Studiums arbeitet, zu ihrem Auto. Sie haben es auf das Geld in der Kasse abgesehen. Obwohl Bianca Scholz sofort ihre Handtasche, Auto- und Firmenschlüssel vor sie wirft, sticht einer der beiden Täter mit einem Messer auf sie ein. Er kennt die Frau, die da vor ihnen steht.
Bianca Scholz erzählt: »Mein Pech war, dass ich den einen der beiden Täter vom Sehen kannte. Sie wollten mich töten.« Sie schleifen die Frau, aus deren Hals das Blut strömt, in eine dunkle Ecke und lassen sie liegen. Sie spürt nichts, ringt nach Atem. Bianca Scholz: »Ich hatte nur noch einen Gedanken: Bleib wach.« Mit größter Willensanstrengung gelingt es ihr, bei Bewusstsein zu bleiben. Heute weiß sie, dass sie dadurch überlebt hat. Und dank der Notärztin, die es haarscharf mit viel Geschick verhindert, dass Bianca Scholz in dieser Nacht auf diesem Parkplatz verblutet. Ein Nachbar in dem einzigen Haus in der Nähe hatte ihre Schreie gehört und noch rechtzeitig Hilfe geholt.

Ins Leben zurück gekämpft
Gerade mit dem Leben davon gekommen, folgte am Tag darauf die nächste Horrornachricht: Die Messerstiche hatten Bianca Scholz Rückenmark fast ganz durchtrennt. Sie war vom Hals abwärts gelähmt. Von der Kieler Uniklinik zog sie ins Berufsgenossenschaftliche Unfallkrankenhaus Hamburg (BUK) um. Dort verbrachte sie im hochspezialisierten Querschnittgelähmten-Zentrum die nächsten 13 Monate. Bianca Scholz erinnert sich: »Am Anfang ging gar nichts. Doch das Wissen, dass ich fast nicht überlebt hätte, hat mich motiviert. Ich wollte mich nicht unterkriegen lassen. Und ich wusste, es liegt allein an mir, das hinzukriegen.«
Mit starkem Willen und viel Disziplin kämpfte sich Bianca Scholz ins Leben zurück. Eisern arbeitete die frühere Volleyballspielerin daran, möglicherweise verbliebene Körperfunktionen zurückzubekommen. Bianca Scholz: »Ich habe mir die Bewegungen immer und immer wieder vorgestellt.« Hände und Unterarme kann sie wieder ein kleines Stück heben. Auch in den Beinen sind Restfunktionen da. Mit dem abendlichen mehrstündigen Training an einem motorbetriebenen Fahrrad und krankengymnastischen Behandlungen zweimal die Woche möchte Bianca Scholz erreichen, dass das noch lange so bleibt.

Ein eigenes Pflegeteam
Doch ohne die Hilfe eines mehrköpfigen Pflegeteams rund um die Uhr und einen genau durchgeplanten Tagesablauf geht es nicht. Morgens um 7 kommen die ersten beiden
Bianca Scholz in Ihrem Rollstuhl
Pflegerinnen, die Frühstück machen, sie füttern, duschen, anziehen und einige Dehnübungen mit ihr machen. Das alles braucht viel Zeit. An drei Tagen in der Woche um die Mittagszeit fährt und begleitet eine Betreuerin Bianca Scholz ins Kieler Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZIP). Dort arbeitet sie 18 Stunden die Woche als Psychotherapeutin und betreut depressive Menschen.
Sie erzählt: »Meine Arbeit ist spannend und macht Spaß. Ich war schon immer neugierig, was Menschen machen. Jetzt darf ich diese Neugierde am Menschen seit einigen Jahren ganz offiziell haben.« Wenn sie ihre Patienten behandelt, ist sie mit ihnen allein. Alles Gesagte muss sie im Kopf abspeichern. Notizen machen kann sie nicht. Das Aufschreiben von Behandlungs-Protokollen übernimmt die begleitende Betreuerin. Sie tippt auch Briefe, ruft E-Mails ab. Eine Zusammenarbeit, die nur mit Vertrauen geht.
Ihr ganzes Pflegeteam hat sie selbst zusammengestellt. Es arbeitet als eigene Firma ausschließlich für sie. Der Vorteil: Bianca Scholz kann den Tagesablauf selbst planen und muss sich nicht nach den Zeiten eines Pflegedienstes richten. Das schafft genügend Freiräume in dem gezwungenermaßen durchorganisierten Leben, um sich mit Freunden zu treffen und Dinge zu tun, die ihr Spaß machen.

Umfassende BGN-Hilfe
Finanziell abgesichert ist Bianca Scholz über die BGN. Denn der Überfall war ein Arbeitsunfall. Die BGN zahlt ihr eine 100-Prozent-Rente, höchstes Pflegegeld, alle zur Pflege notwendigen Hilfsmittel sowie die regelmäßige krankengymnastische Behandlung. Ihre Wohnung und ein Auto wurden mit finanzieller Hilfe der BGN behindertengerecht ausgestattet. Die umfassende Betreuung der BGN vom Krankenbett an bis heute weiß Bianca Scholz zu schätzen: »Die BGN stand mir von Anfang an immer zur Seite. Sonst könnte ich meinen Alltag so gar nicht gestalten.« Eine gute Idee findet sie übrigens, dass sie die Hilfsmittelversorgung über ein persönliches Budget mit der BGN abwickeln kann: »Das ist sehr unbürokratisch und flexibel.«
Die beiden Täter wurden wegen versuchten Mordes zu 8 und 9 Jahren Jugendhaft verurteilt. Heute sind sie wieder auf freiem Fuß und leben in derselben Stadt. Bianca Scholz muss mit den Folgen des Überfalls ihr Leben lang klarkommen.

Der Überfall auf Bianca Scholz war ein Arbeitsunfall. Die BGN trägt alle Kosten der medizinischen und sozialen Rehabilitation.

Berufshelfer der BGN haben Bianca Scholz vom Krankenbett aus begleitet. Sie haben die medizinische Versorgung überwacht, sich um alle Maßnahmen der sozialen Sicherung gekümmert und sind für sie da, wenn sie Hilfe benötigt.

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