Die Wiederentdeckung des Lebens
In Fliedners Wohn- und Werkstätten fasst Stefan Schützeichel nach schwerer Schädelhirnverletzung wieder Tritt
von Elfi BraunAkzente 2/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation
Stefan Schützeichel hatte auf dem Nachhauseweg von der Arbeit einen schweren Autounfall. Seitdem leidet er an den Folgen schwerer Schädelhirnverletzungen, die ihm ein völlig anderes Leben abverlangen. In Fliedners Wohn- und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Brandenburg hat er wieder Tritt gefasst: Er hat eine neue Aufgabe und einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.
Stefan Schützeichel hat den schweren Wegeunfall vor vier Jahren überlebt, nicht überlebt hat sein bisheriges Leben. Gerade mal 27 Jahre alt, musste er noch einmal ganz von vorne anfangen. Und dieses Ganz-von-vorne-Anfangen ist komplett anders als alles, was Stefan Schützeichel bisher gekannt und erlebt hatte. Aufgrund des schweren Schädelhirntraumas hat er Konzentrationsprobleme, eine verminderte Auffassungsgabe und Merkfähigkeit und er ist nur eingeschränkt belastbar. Arbeiten ist nur unter Aufsicht möglich. Mit diesen schwerwiegenden Beeinträchtigungen wieder Tritt zu fassen ist nicht einfach.
Stefan Schützeichel hat es geschafft und das Leben wieder entdeckt: Seit zwei Jahren arbeitet er in Fliedners Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in der Stadt Brandenburg. Dort ist er einer von 8 Mitarbeitern in der Küche, die unter Anleitung eines Arbeitserziehers jeden Tag 620 Mittagessen zubereiten und ausgeben. Die Arbeit gefällt dem früheren Mitarbeiter von Burger King gut. Er ist motiviert bei der Sache und in der Gruppe der Kollegen fühlt er sich wohl.
Diesen Weg zum Wiedereinstieg ins Arbeitsleben hatte der BGN-Berufshelfer Detlef Grossmann vorgeschlagen. Entscheiden mussten Stefan Schützeichel und seine Mutter. Dazu hatten sie sich zusammen mit dem BGN-Berufshelfer Fliedners Werkstätten angesehen. Detlef Grossmann: »Stefan Schützeichel und seine Mutter sollten von diesem Weg überzeugt sein. Bei so schweren Verletzungsfolgen lässt sich das Entwicklungspotenzial nicht vorhersagen. Uns war es wichtig, für Stefan Schützeichel einen Arbeitsplatz zu finden, wo man die Aktivierung noch vorhandenen Entwicklungspotenzials professionell fördert.« Darauf ist man in Fliedners Werkstätten spezialisiert.

Mit gezielter Förderung weiterentwickeln
Petra Bartel vom Sozialen Fachdienst Arbeit der Werkstätten erklärt: »Jeder Neue durchläuft ein 3-monatiges Eingangsverfahren. Während dieser Zeit schauen wir uns insbesondere die Teamfähigkeit und das soziale Verhalten des Menschen genau an, wir prüfen seine berufliche Eignung und Neigungen und stellen fest, wo er Hilfe braucht. Wir wollen herausfinden, ob wir hier der richtige Platz für diesen Menschen sind und wie wir ihn fördern können. Denn unser Ziel ist, dass die Menschen möglichst selbstständig arbeiten und dass ihnen die Arbeit Spaß macht.«Stefan Schützeichel hat sehr schnell in der Hauswirtschaft seinen Platz gefunden. Dort absolvierte er im Rahmen des Berufsbildungsbereichs den einjährigen Grundkurs. Zurzeit macht er den Aufbaukurs. Petra Bartel erklärt: »In der beruflichen Bildung geht es darum, die Basiskompetenzen zu trainieren, die die Möglichkeiten zur Teilhabe am Arbeitsleben erweitern. Unsere Förderung umfasst dabei u.a. die Entwicklung, Erhaltung und Wiedergewinnung der beruflichen Fähig- und Fertigkeiten zur Arbeitsausführung.«
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Wohn- und Werkstätten In Fliedners Werkstätten in der Stadt Brandenburg arbeiten rund 300 Menschen mit Die Arbeitsfelder reichen vom Holzbereich (u. a. Herstellung von Europaletten, Tischlerarbeiten) über den Metallbereich (u. a. Schweißarbeiten, Fräs- und Entgratarbeiten), den Montagebereich (Taumelnietmaschinen, Kniehebelpressen, Vor- und Fertigmontage), die Hauswirtschaft (Reinigung, Küchenhilfe, Wäschepflege), den Verpackungsbereich und Garten- und Landschaftsbau mit Außenarbeitsplätzen bis hin zur Logistik. |
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