17.05.2012, 04:49 Uhr » Home » Medien » Fachartikel
Gasexplosion durch Insektizid-Spray
Gasexplosion durch Insektizid-Spray

Explosion nach Schädlingsbekämpfung

Insektizid-Spray hinterlässt gasexplosionsfähige Atmosphäre im Mehlsilo | Eine Unfallrekonstruktion

von Dr. Andreas Arnold
Akzente 6/2011 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

In einem Silo zur Lagerung von Roggenmehl kam es zu einer Explosion, bei der der Unternehmer schwer verletzt wurde. Bei dieser Explosion handelte es sich nicht, wie man annehmen könnte, um eine Mehlstaubexplosion, sondern um eine Gasexplosion. Ausgelöst wurde sie u. a. durch ein Insektizid-Spray.


Zur Klärung der Explosionsursache kamen Mitarbeiter der BGN-Prävention, darunter Explosionsschutzexperten, vor Ort. Eine Befragung des Unternehmers war wegen der Schwere seiner Verletzungen nicht möglich. So konnten die BGN-Mitarbeiter nur den wahrscheinlichsten Hergang konstruieren – auf Grundlage der vorgefundenen Spurenlage.
Das 5,6 m3 große Silo war bis auf kleine Reste entleert. Die Anlage war betriebsbereit, aber nicht in Betrieb. Neben dem Silo lagen u.a. zwei leere Sprayflaschen, die ein Nebelpräparat gegen Schädlinge in Räumen enthalten hatten, ein angesengter Handbesen und ein Staubsauger. Es ist also davon auszugehen, dass das Insektizid-Spray in das Silo eingebracht wurde und es anschließend mit Handfeger und Staubsauger gereinigt wurde. Dabei kam es zur Explosion.
Eine Staubexplosion konnten die BGN-Experten ausschließen, u.a. weil zum Zeitpunkt der Explosion das Silo weder befüllt noch entleert wurde, so dass prozessbedingt keine staubexplosionsfähige Atmosphäre vorlag. Viel wahrscheinlicher ist eine Gasexplosion, die vom hochentzündlichen Treibgas der Sprayflaschen ausging. Nach Aussagen des Herstellers wird als Treibgas ein Propan-Butan-Gemisch verwendet. Unter der Annahme, dass nur eine der beiden 750-ml-Sprayflaschen vollständig in das Silo eingedüst wurde, ergibt sich daraus eine hypothetische
explosionsfähige Atmosphäre mit einem Volumen von 8,6 m3. Das Silo könnte also vollständig mit explosionsfähiger Atmosphäre gefüllt gewesen sein.
Laut Gebrauchsanweisung des Sprays soll der behandelte Raum nach einer dreistündigen Einwirkzeit für ca. eine Stunde gut durchlüftet werden. Von einer guten Durchlüftung ist jedoch bei den vorgefundenen Verhältnissen nicht auszugehen.
Wahrscheinlich war es so: Durch nicht ausreichende Lüftung des Silos nach der Behandlung mit dem Insektizid-Spray befand sich im Silo eine gasexplosionsfähige Atmosphäre. Diese wurde durch Entladungen statischer Elektrizität gezündet. Am wahrscheinlichsten sind hier Büschelentladungen am Staubsauger bzw. Funkenentladungen an der ungeerdeten Person anzunehmen.
Der Sauberkeit ist es zu verdanken, dass die Gasexplosion keine Staubablagerungen im Siloraum aufwirbeln konnte, die zu einer Sekundär-Staubexplosion außerhalb des Silos geführt hätten.

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