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Schadstoffmessung im Büro
Schadstoffmessung im Büro

Dicke Luft im Büro?

Befindlichkeitsstörungen im Büro und ihre häufigsten Ursachen / BGN bietet Schadstoffmessungen an

von Dr. Jürgen Fauss
Akzente 4/2013 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Brennen in den Augen, Kratzen im Hals, eine verstopfte Nase oder Kopfschmerzen: Trotz der Verwendung emissionsarmer Bauprodukte, lösemittelfreier Beschichtungsstoffe und sorgfältig ausgewählten Mobiliars klagen immer noch Bürokräfte über gesundheitliche Befindlichkeitsstörungen bei der Arbeit. Über die häufigsten Ursachen und wie man sie herausfindet, über Lösungsmöglichkeiten und die Dienstleistungen der BGN-Messstelle.


Es ist häufig schwierig, die Ursachen für Beschwerden in Büroräumen zu finden. Dennoch muss ihnen auf den Grund gegangen werden. Und hierbei ist es für den Ermittlungserfolg entscheidend, dass die Arbeitsbedingungen ganzheitlich betrachtet werden. Dieses ganzheitliche Vorgehen hilft, die oft diffus erscheinenden Beschwerdebilder klarer zu sehen. Nur dann kann der Betrieb die passenden Maßnahmen einleiten, um die Belastung für den Beschäftigten zu verringern oder zu vermeiden.


Im Vorfeld sind Fragen zum Gebäude und zu seiner Lage, zum Verdachtsraum (der zu untersuchende Büroraum), zu den einzelnen Arbeitsplätzen und ihrer Ausstattung sowie zum Beschwerdebild der betroffenen Mitarbeiter zu stellen. Spielen äußere Faktoren wie Klima, Lärm, Beleuchtung, elektrostatische oder elektromagnetische Felder eine Rolle? Gibt es offensichtliche mikrobielle oder geruchliche Einflüsse? Wurden in letzter Zeit Renovierungsmaßnahmen oder andere Veränderungen durchgeführt? Idealerweise werden all diese Fragen im Team am runden Tisch beantwortet. Dem Team sollten die betroffenen Mitarbeiter, die Sicherheitsfachkraft, der Betriebsarzt, ein Betriebsratsmitglied, die Aufsichtsperson der BGN, ein Messingenieur und eventuell auch die Betriebsleitung angehören.


Häufig ist die Luft zu trocken
In einer Vielzahl von Fällen können die Beschwerden auf zu trockene Luft oder einfach nur "schlechte Luft" - zum Teil in Verbindung mit geruchlichen Auffälligkeiten - zurückgeführt werden. Eine relative Luftfeuchtigkeit unter 30 Prozent, wie sie vor allem in der kalten Jahreszeit auftritt, ist immer wieder Anlass für gesundheitliche Klagen. Symptome sind eine trockene Haut, trockene Schleimhäute und Irritationen im Bereich der Atemwege. Bei Bildschirmarbeit können auch Augenreizungen aufgrund zu trockener Augen auftreten. Gegensteuern kann man mit fetthaltigen Pflegecremes, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, bei zu trockenen Augen mit Augentropfen und richtigem Lüften. In den Wintermonaten sollten dazu die Fenster nur kurz, aber dafür weit geöffnet werden (Stoßlüftung). Der höhere Wärmedruck in beheizten Räumen bewirkt sonst, dass durch länger geöffnete Fenster kontinuierlich Luftfeuchte an die Außenluft abgegeben wird. Bei nachweislich sehr geringer relativer Luftfeuchte und massiven Beschwerden kann man mit Luftbefeuchtern oder Zimmerpflanzen Besserung erzielen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Der Luftbefeuchter sollte moderat eingestellt sein und regelmäßig gewartet werden. Die Pflanzen sollten pflegeleicht sein, reichlich Wasserdampf abgeben, und sie dürfen keine allergischen Reaktionen auslösen. In jedem Fall sind mikrobielle Probleme durch Schimmelpilze unbedingt zu vermeiden.


Dicke Luft durch zu viel CO2
Ein weiteres, häufig unterschätztes Phänomen in Büroräumen ist eine zu hohe Konzentration an Kohlendioxid (CO2), die sich bei falschem Lüftungsverhalten aufbaut. Die Emissionsquelle für das CO2 ist der Mensch. Ein Erwachsener atmet bei ruhiger Tätigkeit etwa 20 Liter CO2 pro Stunde aus. Wenn mehrere Mitarbeiter in einem kleinen Raum zusammenarbeiten und zu wenig gelüftet wird, führt das unweigerlich zu CO2-Konzentrationen, die die Pettenkoferzahl von 1.000 ppm (= Obergrenze des hygienisch unbedenklichen Bereichs) weit überschreiten. Typische Symptome der "dicken Luft" infolge eines zu hohen CO2-Gehalts in der Raumluft können Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder gar Schwindel sein. Am einfachsten löst man das Problem mit einem gezielten und systematischen Lüften.

Dr. Jürgen Fauss ist Mitarbeiter des Zentrallabors in der Messstelle Gefahrstoffe der BGN