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Leichter arbeiten

Vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung der Ergonomie / Bahlsen-Werk in Barsinghausen erhält Sonderpreis beim BGN-Präventionspreis 2012


von Elfi Braun
Akzente 6/2013 Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Gute und ergonomische Arbeitsgestaltung hat bei Bahlsen hohe Priorität im betrieblichen Verbesserungsprozess. Im Werk Barsinghausen entwickelt man in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten systematisch und intensiv technische Hilfsmittel zur körperlichen Entlastung. Über die Jahre kamen so viele Verbesserungen zusammen. Sie machen das Arbeiten leichter und die Mitarbeiter zufriedener und leistungsfähiger. Und sie beugen Gesundheitsschäden vor.


In der Produktion und Verpackung des Bahlsen-Werks in Barsinghausen trifft man an allen Ecken auf clevere durchdachte Lösungen zur Arbeitserleichterung. Die Anpassung der Arbeitsbedingungen an die dort arbeitenden Menschen wird hier nämlich konsequent betrieben. Werksleiter Karl Reichstein erklärt: "Seit 10 Jahren arbeiten wir bewusst und intensiv daran. Wir wissen, dass sich Arbeitsbedingungen verbessern lassen und welche Potenziale diese Verbesserungen haben. Sie tragen nachweislich zur Zufriedenheit unserer Mitarbeiter bei. Und sie ermöglichen sichere, gesundheitsgerechte, zuverlässige und störungsfreie Abläufe."

Vielfältige Arbeitsplatzlösungen mit dem Rohrstecksystem
Viele Maßnahmen zur Verbesserung der Ergonomie basieren auf einem Rohrstecksystem. Es handelt sich um ein in der Automobil- und Flugzeugindustrie recht verbreitetes Baukastensystem aus Rohren und Steckverbindungen, das man bei Bahlsen für die Lebensmittelherstellung entdeckt hat. Aus vorgefertigten Komponenten lassen sich einfach und schnell höhenverstellbare Arbeitstische und Materialzuführungsbahnen, individuell einstellbare Gestelle zur Materialbereitstellung und passgenaue Transportwagen für schwere Rüstteile von Anlagen zusammenbauen.

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Sicherheitsfachkraft Dirk Haffke erzählt: "Zu unserem Bahlsen-Verbesserungs-Prozess gehören Mitarbeiter-Workshops, in denen wir zusammen Ideen für Hilfsmittel entwickeln, die die Arbeit erleichtern und die Mitarbeiter entlasten. Wir haben ein System gesucht, mit dem wir die Ideen erst einmal simulieren und dabei auch Fehler machen können. Fehler, die finanziell nicht so weh tun." Gefunden hat Bahlsen ein System, das mehr kann: Das Rohrstecksystem eignet sich zum schnellen Ausprobieren, und es eignet sich auch dazu, einfach und schnell Dauerlösungen für den Betriebsalltag zu bauen. Und so findet man heute verschiedenste Arbeitshilfen aus Edelstahlrohr in der Produktion und vielfältige preiswertere kunststoffbeschichtete Metallausführungen in der Verpackung. Zusammengebaut von Mitarbeitern mit handwerklichem Geschick.

Ein paar Beispiele
In der Verpackung sitzt der Packstoff in einem Rohrgestell, dessen Höhe und Neigung flexibel auf die Körpergröße des jeweiligen Mitarbeiters am Band eingestellt werden kann (Bild 1). So können alle, die an diesem Arbeitsplatz eingesetzt werden, den Packstoff mit entspannter Armhaltung entnehmen. Auch die Packstation für Mischware ist aus dem flexiblen Rohrstecksystem gebaut (Bild 2). Der Bediener bringt bei Arbeitsbeginn per Handkurbel die Zuführgestelle mit den einzelnen Produkten und die vordere Rollenbahn auf die Arbeitshöhe, in der er in entspannter Haltung arbeiten kann. Auf der Rollenbahn kann er den zu konfektionierenden Karton zu den einzelnen Produktreihen hinschieben. Für den Abtransport der gefüllten Kartons sowie für die Warenzufuhr am anderen Ende der Zuführgestelle stehen Hubwagen mit automatischer Höhenanpassung bereit.

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Dirk Haffke: "Egal, welche Arbeitshöhe der Mitarbeiter eingestellt hat, die Kartons müssen nur noch rüber auf den Wagen oder bei der Warenzufuhr auf das Gestell geschoben werden. Es gibt kein Bücken und Heben mehr." Ein weiteres Beispiel: Ohne große Anstrengung lässt sich heute an der Clustermaschine der regelmäßige Austausch der schweren Formwalze bewerkstelligen (Bild 3).
Die Mitarbeiter haben dafür passgenaue Transportwagen entwickelt. Die Wagenhöhe entspricht genau der Einschubhöhe der Walze. Der Wagen ist mit einer Gleitschiene ausgestattet, mit der sich die Walze leicht in die Maschinenöffnung hineinschieben oder beim Ausbau aufnehmen lässt.