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Häusliche Pflege nach Arbeitsunfall
Häusliche Pflege nach Arbeitsunfall

Hilfe im gewohnten Umfeld

Häusliche Pflege nach Arbeitsunfall oder bei Berufskrankheit / BGN hilft auch pflegenden Angehörigen


Akzente 2/2014 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Wer infolge eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit vorübergehend oder dauerhaft pflegebedürftig ist, den versorgt die BGN mit Sachleistungen und zahlt Pflegegeld. Bei der häuslichen Pflege unterstützt die BGN zudem die Pflegenden jetzt gezielt mit einem qualitätssichernden Konzept, damit sie ihre schwierige Aufgabe gut und gesund erfüllen können.


von Detlef Kassik

Jährlich erhalten etwa 850 Versicherte Pflegeleistungen von der BGN. Für die Entscheidung, wie die Pflege organisiert und realisiert werden kann, sind die Wünsche der Versicherten entscheidend. Die Pflegeleistungen sollen ihnen helfen, trotz ihres Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Ein Großteil, nämlich etwa 80  %, wird zu Hause gepflegt. Die häuslichen Helfer sind meistens Angehörige. Für die Mehraufwendungen, die aufgrund der Betreuung des Pflegebedürftigen und der damit verbundenen Hilfe im häuslichen Umfeld entstehen, zahlt die BGN Pflegegeld (siehe auch Kasten unten).
Darüber hinaus bietet die BGN ihnen Hilfe dabei an, in ihre neue Rolle hineinzufinden und sie zu bewältigen. Denn Pflege verändert auch den Alltag der pflegenden Angehörigen gravierend, und nicht selten ist Pflege Schwerstarbeit.

Hohe Belastungen für pflegende Angehörige
Neben der körperlichen Belastung spielen auch psychische Belastungen eine große Rolle. Gerade die Langzeitpflege bedeutet eine enorme körperliche und seelische Herausforderung. Und oft bleibt wenig Raum für die eigenen gesundheitlichen Belange. Möglichkeiten, sich körperlich und seelisch zu erholen, bleiben auf der Strecke.
Erkrankungen wie Wirbelsäulenbeschwerden oder psychische Erschöpfungszustände sind die Folge. Sie werden oft verschwiegen und notwendige Behandlungen und Therapien werden nicht in Anspruch genommen. Dabei haben sie selbst, der von ihnen gepflegte Angehörige und auch die Gesellschaft ein starkes Interesse daran, dass sie gesund und leistungsfähig bleiben. Hierzu möchte die BGN beitragen.

BGN unterstützt pflegende Angehörige
Mit einer Reihe von Maßnahmen will die BGN dabei helfen, die pflegenden Angehörigen zu entlasten und die Qualität der Pflege zu verbessern. Es hat sich gezeigt, dass die Qualität der Pflege ganz maßgeblich von einer guten Beratung, Begleitung und Anleitung gerade der pflegenden Angehörigen abhängt. Und deshalb hat man bei der BGN qualitätssichernde Handlungsstandards für die Betreuung und Beratung pflegebedürftiger Versicherter und ihrer pflegenden Angehörigen entwickelt. Dazu gehört:
→Frühzeitige, zielgerichtete Vorbereitung auf die Pflegesituation zu Hause und Begleitung im Pflegealltag: Vorbereitung der häuslichen Pflege schon während des stationären Aufenthalts. Die BGN unterstützt - falls erforderlich unter Einbeziehung externer Pflegefachberater – bei der Ausgestaltung der Pflegesituation und überprüft sie laufend. Regelmäßige Hinweise auf Schulungsangebote für pflegende Angehörige.
→Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: gezielte Beratung zu den verbesserten gesetzlichen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten für pflegende Angehörige Entlastung pflegender Angehöriger, die im Schichtbetrieb arbeiten, durch Übernahme der Kosten für eine stundenweise einsetzbare Tages- und Nachtpflege.
→Entlastung durch regelmäßige Auszeiten: Beratung zu den Möglichkeiten einer bezahlten Vertretung in der häuslichen Umgebung bei Krankheit oder Urlaub der pflegenden Person und der Kurzzeitpflege in einer Pflegeeinrichtung.

Diese Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, pflegenden Angehörigen ihre schwierige Aufgabe zu erleichtern und im Interesse unserer Versicherten die oft jahrelange Pflege zu Hause zu sichern.

Mit verschiedenen Gesundheitsschutzmaßnahmen unterstützen die Unfallkassen die Pflegenden, psychisch und körperlich gesund zu bleiben.
Infos bei der zuständigen Unfallkasse: www.dguv.de, Webcode d1754

Pflegegeld und Pflegeleistungen
in der gesetzlichen Unfallversicherung

Die Höhe des Pflegegelds bemisst sich nach dem Ausmaß der Hilflosigkeit.

Derzeitige Höhe des Pflegegelds pro Monat
→mindestens 318 EUR / in den östlichen Bundesländern 287 EUR
→höchstens 1.270 EUR / in den östlichen Bundesländern 1.148 EUR
Statt Pflegegeld kann der Versicherte auch beantragen, dass eine Pflegekraft gestellt wird (Hauspflege) oder eine Heimpflege in einem Pflegeheim realisiert wird. In beiden Fällen gelten die Höchstgrenzen wie beim Pflegegeld nicht.

Leistungen bei Pflegebedürftigkeit
Die Pflegeleistungen der Berufsgenossenschaft sind in der Regel umfassender als die der sozialen Pflegeversicherung und sie gehen vor. Ein wesentlicher Unterschied: Auch bei nur vorübergehender Pflegebedürftigkeit besteht in der gesetzlichen Unfallversicherung ein Rechtsanspruch auf Leistungen zur Pflege. Anders in der sozialen Pflegeversicherung: Sie leistet erst, wenn mit einer Pflegebedürftigkeit von 6 Monaten und länger zu rechnen ist.


Versicherungsschutz für Pflegende
Beitragsfrei gesetzlich unfallversichert

Jeder, der eine pflegebedürftige Person in häuslicher Umgebung nicht erwerbsmäßig pflegt, z. B. ein Angehöriger, Nachbar, Freund, ist in der gesetzlichen Unfallversicherung beitragsfrei versichert. Versichert sind Pflegetätigkeiten in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung.
→Mehr Infos: www.bgn.de, Shortlink = 1397

Braucht ein pflegender Angehöriger infolge eines Unfalls während der Pflege ärztliche Hilfe, dann ist ein sogenannter Durchgangsarzt (D-Arzt) die richtige Adresse. Wichtig ist es, dem D-Arzt zu sagen, dass sich der Unfall bei der häuslichen Pflege einer pflegebedürftigen Person ereignet hat. Der D-Arzt meldet den Unfall dann der zuständigen Unfallkasse der gesetzlichen Unfallversicherung, die die Kosten der Heilbehandlung übernimmt.