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Bild: Konusmischer der  Bremer Coffein Compagnie
Konusmischer der Bremer Coffein Compagnie

Eine grandiose Erfindung

Bei der Coffein Compagnie in Bremen haben sich zwei Mitarbeiter Gedanken um die Sicherheit bei der Wartung in Konusmischern gemacht

von Elfi Braun
Akzente 1/2009 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Früher war es den Mitarbeitern der Bremer Coffein Compagnie nicht geheuer, wenn sie zur Wartung in die sieben Meter hohen Konusmischer einstiegen. Heute ist das anders. Denn heute fühlen sie sich sicher. Das haben sie Jens Mahlmann und Mike Kruse zu verdanken, die speziell für diesen Zweck das passende Gerüst entwickelt haben. Die BGN honorierte die grandiose Erfindung mit dem Präventionspreis 2008 in der Kategorie »Betriebliche Sicherheitstechnik«.


Jens Mahlmann erinnert sich noch gut an das mulmige Gefühl, das er und seine Kollegen früher hatten, wenn sie zu Wartungsarbeiten in die sieben Meter hohen Konusmischer für Kaffeebohnen einsteigen mussten. Das war bei jedem der vier Mischer vier bis fünf Mal im Jahr der Fall. »Keine leichte Aufgabe«, erzählt Jens Mahlmann. Und das lag nicht nur an dem ca. 1,5 m langen und mehrere Zentner schweren Dreharm, der fast jedes Mal ausgetauscht werden musste.
Jens Mahlmann erklärt: »Wir haben schwierige Arbeitsbedingungen in den Mischern. Der einzige Zugang ist ein Mannloch von nur 55 cm Durchmesser. Außerdem haben die Mischer eine Trichterform, sie laufen nach unten konisch zu. Man hat also keine Aufstellfläche für eine Leiter oder ein Gerüst. Im Innern gibt es eine senkrecht laufende, messerscharfe Schnecke. Mit den selbstgezimmerten Hilfsmitteln, die wir früher zur Verfügung hatten, war das Arbeiten in den Mischern immer mit Gefahren verbunden, die wir technisch nicht ausschalten konnten. Das wurde uns mit der Zeit immer bewusster.«

Früher: Jedes Mal ein riskanter Balanceakt
Die Hilfsmittel, von denen Jens Mahlmann spricht, bestanden aus einer Einhängeleiter und einem Maurergerüst. Befestigt war es an Seilen, die durch kleine Öffnungen am Behälterkopf eingelassen wurden. Doch zunächst musste das Gerüst in Einzelteilen durch das enge Mannloch in den Mischer hineingegeben und dort im Innern aufgebaut werden. Dazu kletterte ein Mitarbeiter über eine am Rand des Mannlochs eingehängte Leiter in den Mischer hinein. Mit einem Fuß auf der Leiter und mit dem anderen Fuß auf der Schnecke stehend, nahm er die schweren, verzinkten Rohre und dicken Holzbohlen des Maurergerüsts entgegen, die ein Kollege an einem Seil herabließ.
Im unsicheren Stand auf Leiter und Schnecke baute der Mann anschließend das Gerüst zusammen. Jens Mahlmann erinnert sich: »Das Montieren des Gerüsts war jedes Mal ein riskanter Balanceakt. Man hatte keinen festen Stand und musste zum Teil auch noch über Kopf arbeiten. Zum Glück ist nie etwas passiert. Wir mussten dringend eine Lösung finden, die diese gefährlichen Aktionen überflüssig machte.« Jens Mahlmann und sein Kollege Mike Kruse hatten auch schon eine Idee. Sie stellten sich ein Gerüst vor, das man in den Mischer einbringen konnte, ohne selbst einsteigen zu müssen.

Lange keine Lösung in Sicht
Bild: Das aus Leichtbau­elementen bestehende Gerüst lässt sich in schnell und ohne Werkzeug aufbauen.
Das aus Leichtbauelementen bestehende Gerüst lässt sich in schnell und ohne Werkzeug aufbauen.
Mahlmann trug das Sicherheitsproblem in den Konusmischern dem Arbeitssicherheits-Ausschuss vor. Die Brisanz des Problems lag auf der Hand und die Genehmigung der Werksleitung, ein solches Sicherheitsgerüst anzuschaffen, war schnell erteilt. Bis das Gerüst jedoch gefunden und realisiert war, vergingen über 2 Jahre. Jens Mahlmann erinnert sich noch gut an die Odyssee, die ihn und Mike Kruse zum Hersteller der Konusmischer und zu verschiedenen Stahlbaufirmen führte. Er erzählt: »Am Ende standen wir mit leeren Händen da. Wir hätten nie geglaubt, dass uns niemand helfen würde. Aber keiner, den wir angesprochen haben, hatte irgendeine Idee, wie er unsere Vorstellungen umsetzen konnte. Deshalb fingen wir selbst an, einen Weg zu suchen, wie wir zumindest die Sicherheit beim Aufbau des alten Gerüsts verbessern konnten.«
Dazu entwickelten Jens Mahlmann und Mike Kruse eine Plattform. Sie wird von oben mit Seilen in den Mischer eingelassen und kommt schließlich auf drei waagerecht laufenden Metallstreben im unteren Ende des Mischers zu liegen. Die rohrförmigen Streben werden dort zuvor von außen durch Löcher eingeschoben, an denen bei normalem Mischerbetrieb Rohrleitungen angeschlossen sind. Auf der kippsicher sitzenden Plattform lässt sich eine dreiteilige Leiter aufstellen. Warum nicht auch ein Gerüst?

Der Durchbruch
Mahlmann: »Mit der Plattform war der Grundstein gelegt. Darauf konnten wir aufbauen.« Und so nahm das heutige Gerüst langsam Gestalt an. Zunächst in ihren Köpfen, dann auf dem Papier und schließlich auch in der Realität.
Gebaut wurde es von einer Gerüstbaufirma nach Plänen von Jens Mahlmann und Mike Kruse. Die Gerüstbauer hatten bei Arbeiten im Werk zufällig die Plattform gesehen und waren mit ihren Konstrukteuren ins Gespräch gekommen.
Herausgekommen ist ein Gerüst, dessen Form das Kegelförmige der Mischer aufnimmt. Es besteht aus leichten Aluminiumrohren, die auf die Plattform aufgesteckt werden. Das komplette Gerüst lässt sich ganz ohne Werkzeug montieren. Oben schließt es mit einer aus mehreren Teilen zusammengesetzten Arbeitsplattform ab, die nur aufgesetzt werden kann, wenn die Schnecke zuvor in eine seitliche Position gefahren wurde. An den Gerüstverbindungen lassen sich seitlich kleine Stützen ausklappen. Sie stellen sicher, dass das Gerüst in jedem der vier Konusmischer immer fest an der Behälterwand sitzt.

Bild: Wartungsarbeiten

Heute: Jederzeit ein sicherer Stand
Wenn Mitarbeiter der Coffein Compagnie heute in die Konusmischer einsteigen, tun sie das mit dem guten Gefühl, während der Wartungsarbeiten jederzeit einen sicheren Stand zu haben. Nachdem sie die Schnecke in die seitliche Position verfahren haben, bringen sie von
Bild: Jens Mahlmann, einer der Erfinder des Gerüsts
Jens Mahlmann, einer<br>der Erfinder des Gerüsts
außen durch das Mannloch die untere Plattform an Seilen in den Behälter ein. Wenn die Plattform sicher auf den eingeschobenen Rohren sitzt, wird eine Spezialleiter eingehängt. Über sie steigt ein Mitarbeiter dann in den Mischer ein. Er baut das Gerüst, das ihm in Einzelteilen heruntergereicht wird, zusammen.
Für all das braucht er nur noch Bruchteile der Zeit, die es früher kostete, das schwere Maurergerüst in den Mischer einzulassen und aufzubauen. Betriebsleiter Andreas Meyer freut sich natürlich über kürzere Unterbrechungszeiten für die Wartung der Mischer. Aber vor allem ist er zufrieden, dass eine gute und praktikable Lösung für das Sicherheitsproblem bei den Wartungsarbeiten in den Konusmischern gefunden wurde. Stolz ist er, dass die entscheidenden Einfälle aus den eigenen Reihen kamen. Und lobend fügt er hinzu: »Wir verdanken es Jens Mahlmanns und Mike Kruses Beharrlichkeit und Stehvermögen, dass ihre Idee eines sicheren Spezialgerüsts auch praktisch umgesetzt wurde.«

Die Coffein Compagnie in Bremen gehört zu den Weltmarktführern in der Herstellung entcoffeinierten Kaffees.

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