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Sicherheitstechnische Betriebsbetreuung

Update Regelbetreuung

Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit« bietet Unternehmen mehr Möglichkeiten, den Arbeitsschutz effektiver zu nutzen

von Christoph-J. Kirchner und Elfi Braun Akzente 6/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit« eröffnet Unternehmen bessere Möglichkeiten, den Arbeitsschutz für ihre Betriebsprozesse zu nutzen. Sie bietet einen Rahmen, in dem die Kompetenzen der Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte flexibler und den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechend abgerufen werden können. Das erfordert eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit der präventiven Gestaltung der Arbeitsprozesse und verspricht einen größeren betrieblichen Nutzen der Betreuung.


Mit Inkrafttreten der DGUV Vorschrift 2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit« ist die Reform der betriebs ärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung der Betriebe abgeschlossen. Im Mittelpunkt der Reform steht das überarbeitete Konzept der Regelbetreuung der Betriebe mit mehr als 10 Beschäftigten. Es sieht eine am tatsächlichen Bedarf ausgerichtete, effektivere und zeitgemäße Betreuung durch Betriebsärzte und Sicherheitsfachkräfte vor.

Dazu enthält die DGUV Vorschrift 2 Regelungen, die
  • für alle gewerblichen Unternehmen und öffentlichen Betriebe und Institutionen einheitlich gelten,
  • die Gleichbehandlung gleichartiger Betriebe durch gleichartige Anforderungen sicherstellen,
  • die individuelle Gefährdungssituation des einzelnen Betriebes berücksichtigen und
  • die Eigenverantwortlichkeit und Ausgestaltungsspielräume des Betriebes stärken.
In den BGN-Mitgliedsbetrieben wird die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 ab 31. 12. 2010 gelten.

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Einheitlich geregelt, betriebsspezifisch umsetzen
In Zukunft werden die Betreuungsumfänge stärker durch die betriebsspezifische Gefährdungssituation bestimmt. Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit« sieht hierzu zwei Formen der Betreuung vor: die Grundbetreuung und die betriebsspezifische Betreuung.

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Die Grundbetreuung
Für die Grundbetreuung hat jeder Betrieb einen festen Zeitumfang. Seine inhaltliche Ausgestaltung sowie die Relevanz und zeitliche Gewichtung einzelner Betreuungsaufgaben legen Unternehmer, Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft unter Beteiligung der betrieblichen Interessenvertretung mit Hilfe des in der Vorschrift enthaltenen Aufgabenkatalogs fest.
Der Zeitumfang der Grundbetreuung
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errechnet sich aus der Anzahl der Beschäftigten und der Betreuungsgruppe, der der Betrieb angehört. Die Betriebe sind über ihre jeweilige Betriebsart einer Betreuungsgruppe zugeordnet. Die Gruppe sagt aus, wie viele Stunden pro Beschäftigten der Betrieb für die Grundbetreuung veranschlagen muss. Die Zuordnung der Betriebsarten zu den Gruppen erfolgte erstmals nach einem einheitlichen statistischen Schlüssel. Das stellt die Gleichbehandlung aller Betriebe sicher.
Die errechnete Gesamt-Einsatzzeit für die Grundbetreuung teilt der Betrieb auf die von ihm festgelegten Betreuungsaufgaben und deren Leistungserbringer (Betriebsarzt/Sicherheitsfachkraft) auf. Der Mindestanteil an der Gesamt-Einsatzzeit beträgt sowohl beim Betriebsarzt als auch bei der Fachkraft mindestens 20 Prozent.

Die DGUV Vorschrift 2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit« regelt die Bedingungen für den Einsatz von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit. Sie ersetzt die bisherige Unfallverhütungsvorschrift BGV A2 »Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit«.

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Die betriebsspezifische Betreuung
Der Unternehmer ermittelt, welchen Bedarf an betriebsärztlicher und sicherheitstechnischer Betreuung er über die Grundbetreuung hinaus hat. Dieser Bedarf ergibt sich aus seiner betriebsspezifischen Arbeitssituation. Diese gleicht er mit den Aufgabenfeldern des Leistungskatalogs in Anhang 4 der Vorschrift ab. Dort sind für jedes Aufgabenfeld die Kriterien, die eine betriebsspezifische Betreuung erfordern/auslösen können (Auslösekriterien), aufgeführt. Der Unternehmer prüft, welche Auslösekriterien für seinen Betrieb relevant sind und bei welchen er noch Beratungsbedarf hat. Dann legt er für die Erledigung der einzelnen Aufgaben den Personalaufwand fest und vereinbart schriftlich mit Betriebsarzt und Sicherheitsfachkraft die Betreuungsleistung. Hierbei kann es sich um regelmäßig oder temporär erforderliche Betreuungsleistungen handeln. Das Spektrum der Aufgabenfelder umfasst neben klassischen Themen auch neue, zukunftsorientierte Themen.
In der betriebsspezifischen Betreuung ist die individuelle Gefährdungssituation jedes einzelnen Betriebes berücksichtigt. Beratung ist dort erforderlich, wo noch tatsächlicher Handlungsbedarf besteht.

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Arbeitsschutz effektiver nutzen
Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 stärkt die Eigenverantwortung des Unternehmers. Er erhält die Möglichkeit, selbst einzuschätzen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen im Unternehmen erforderlich sind, um reibungslose und sichere Betriebsprozesse gestalten zu können und um die Beschäftigten produktiv und gesund einsetzen und fördern zu können. Dabei hilft ihm die Gefährdungsbeurteilung. Sie ist nach DGUV Vorschrift 2 das zentrale Werkzeug, um den Arbeitsschutz in die Arbeitsabläufe eigenverantwortlich zu integrieren. Die Gefährdungsbeurteilung ermöglicht dem Unternehmer, die Gefährdungen, Belastungen und Schwachstellen in seinem Wertschöpfungsprozess, in den Arbeitsbedingungen und der Arbeitsgestaltung zu erkennen und entsprechende Verbesserungsmaßnahmen festzulegen.
Somit lenkt die Gefährdungsbeurteilung die Frage des Einsatzes von Betriebsarzt und Sicherheitsfachkraft auf den tatsächlichen Bedarf und die Lösung tatsächlicher Gefährdungs- und Belastungsprobleme. Hierin liegt die Chance, die Qualität der Betreuung deutlich zu verbessern, indem Betriebsarzt und Sicherheitsfachkraft mehr über sinnvolle, wertschöpfende Tätigkeiten in die betrieblichen Prozesse einbezogen werden. Dazu bedarf es einer stärkeren inhaltlichen Auseinandersetzung mit der präventiven Gestaltung der Arbeitsprozesse. Die DGUV Vorschrift 2 hat hierzu die Weichen gestellt.

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