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Bild: Piktogramm zur Kennzeichnung eines Notausgangs
Piktogramm zur Kennzeichnung eines Notausgangs

Fluchtweg konkret

Die neue Arbeitsstättenregel ASR A2.3 »Fluchtwege, Notausgänge, Flucht-und Rettungsplan«

von Werner Fisi
Akzente 3/2008 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Wie Fluchtwege, Notausgänge und Flucht- und Rettungspläne gestaltet sein müssen, gibt jetzt die neue Arbeitsstättenregel ASR A2.3 vor. Nachfolgende Checkliste fasst die wichtigsten Punkte zusammen


Der Arbeitgeber muss Vorkehrungen treffen, dass die Beschäftigten sich bei Gefahr unverzüglich in Sicherheit bringen und schnell gerettet werden können. Was in der Arbeitsstättenverordnung als Mindestanforderung allgemein formuliert ist, wurde durch konkrete Ausführungen für die betriebliche Praxis ergänzt. Enthalten sind die Konkretisierungen in der seit September 2007 geltenden Arbeitsstättenregel ASR A2.3 »Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan«.
Die ASR A2.3 ist eine der zwei bislang erlassenen Arbeitsstättenregeln des geplanten Technischen Regelwerks für Arbeitsstätten. Dieses soll nach und nach die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung durch konkrete Ausführungen ergänzen und die in der Übergangszeit weiter geltenden Arbeitsstättenrichtlinien (ASR) ablösen. So hat die neue ASR A2.3 die Ausführungen der alten Arbeitsstättenrichtlinien ASR 10/1 »Türen und Tore« und ASR 17/1,2 »Verkehrswege« abgelöst, in denen es auch um die Gestaltung von Fluchtwegen und Notausgängen geht.
Die ASR A2.3 unterstützt den Arbeitgeber insbesondere beim Bau oder Umbau einer Arbeitsstätte. Sie hilft ihm aber auch bei der Beurteilung des ordnungsgemäßen Zustandes der Fluchtwege und Notausgänge sowie bei der Erarbeitung von Maßnahmen zur Beseitigung von Mängeln. Sie beschreibt, wie Fluchtwege und Notausgänge einzurichten und zu betreiben sind. Außerdem enthält sie Vorgaben zum Flucht- und Rettungsplan. Vorgeschrieben sind hier auch regelmäßige Räumungsübungen, anhand derer überprüft werden kann, ob das betriebliche Alarmsystem funktioniert und ob wirklich alle Personen, die sich im Gebäude aufhalten, im Gefahrenfall die Arbeitsstätte rasch und sicher verlassen können. Einbezogen werden muss dabei besonders, ob sich regelmäßig ortsunkundige Personen im Betrieb aufhalten.

CHECKLISTE
Fluchtwege, Notausgänge
Allgemeines
Fluchtwege, Notausgänge und Notausstiege sind ständig freigehalten und können jederzeit benutzt werden.
Notausgänge und Notausstiege, die von außen verstellt werden können, sind mit dem Verbotszeichen »Nichts abstellen oder lagern« gekennzeichnet und gegebenenfalls mit Abstandsbügeln für Kraftfahrzeuge gesichert.
Im Verlauf des Fluchtweges gibt es keine Aufzüge.
Gegebenenfalls (je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung; z.B. bei Räumen > 200 m2) ist ein zweiter Fluchtweg eingerichtet.
Im Verlauf des ersten Fluchtweges gibt es keine Fahrtreppen, Wendel- und Spindeltreppen, Steigleitern u.Ä.
Sperreinrichtungen an Schrankenanlagen lassen sich schnell und sicher ohne besondere Hilfsmittel (Kraftaufwand maximal 150 N) in Fluchtrichtung öffnen.
Anordnung, Abmessungen
Der Fluchtweg ist möglichst kurz. Die maximale Länge (Luftlinie) beträgt für
  1. Räume (ausgenommen Räume nach b bis f) bis zu 35m
  2. brandgefährdete Räume mit selbsttätigen Feuerlöscheinrichtungen bis zu 35m
  3. für brandgefährdete Räume ohne selbsttätige Feuerlöscheinrichtungen bis zu 25m
  4. für giftstoffgefährdete Räume bis zu 20m
  5. für explosionsgefährdete Räume (ausgenommen Räume nach f) bis zu 20m
  6. für explosivstoffgefährdete Räume bis zu 10m

Die tatsächliche Laufweglänge beträgt nicht mehr als das 1,5fache der Fluchtweglänge.
Der Fluchtweg ist ausreichend breit und er ist nicht eingeengt durch Einbauten oder Türen, die in Richtung Fluchtweg öffnen.
Anzahl der Personen (Einzugsgebiet) Mindestbreite
(in m)
bis 5 0,875
bis 201,00
bis 2001,20
bis 3001,80
bis 4002,40
Die lichte Höhe über Fluchtwegen beträgt mindestens 2,00 m (Reduzierung der lichten Höhe um maximal 0,05 m an Türen).
Ausführung
Manuell betätigte Türen in Notausgängen öffnen sich in Fluchtrichtung.
In Fluchtwegen gibt es keine manuell zu betätigenden Karussell- und Schiebetüren.
Türen im Verlauf von Fluchtwegen und Notausstiege lassen sich leicht und ohne besondere Hilfsmittel öffnen.
Verschließbare Türen und Tore im Verlauf von Fluchtwegen lassen sich von innen ohne besondere Hilfsmittel leicht öffnen - durch Türdrücker, Panikstange, Paniktreibriegel u.Ä.
Am Ende eines Fluchtweges im Freien bzw. im gesicherten Bereich kann es keinen Rückstau oder Gefahren (z.B. Verkehrswege) geben.
Treppen im Verlauf von Fluchtwegen haben gerade Läufe. Fluchtwege enthalten keine Ausgleichsstufen.
Notausstiege sind im Lichten mindestens 0,90 m breit und mindestens 1,20 m hoch.
Kennzeichnung
Fluchtwege, Notausgänge, Notausstiege und Türen im Verlauf von Fluchtwegen sind entsprechend der ASR A1.3 »Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung« gekennzeichnet.
Gegebenenfalls (je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung) ist ein Sicherheitsleitsystem eingerichtet.

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