23.11.2014, 06:19 Uhr » Home » Medien » Fachartikel

Beruf + krank = Berufskrankheit?

Berufskrankheit: Die Voraussetzungen
Als Berufskrankheiten gelten Erkrankungen, die durch Einwirkungen verursacht werden, denen Berufstätige durch ihre Arbeit in erheblich höherem Maß ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung. Damit ist gemeint, dass nur länger andauernde oder sich wiederholende körperliche Einwirkungen als Ursachen in Frage kommen. Typisch für solche Fälle sind auch sehr unterschiedliche und teilweise mehrere Jahrzehnte betragende Latenzzeiten. Unter Latenzzeit versteht man den Zeitraum zwischen einer schädigenden Einwirkung und dem Auftreten einer dadurch verursachten Erkrankung. Ein typisches Beispiel für eine lange Latenzzeit sind die Asbesterkrankungen. Hier tritt die Erkrankung in der Regel frühestens 10 Jahre nach dem Asbestkontakt auf.
Alle Erkrankungen, die als Berufskrankheit gelten, sind in der von der Bundesregierung aufgestellten Berufskrankheiten-Liste (BK-Liste) aufgeführt. Nicht in dieser Liste geführte Erkrankungen fallen laut Gesetz nicht unter den Versicherungsschutz der Berufsgenossenschaften. Die Ablösung der Unternehmerhaftpflicht durch die gesetzliche Unfallversicherung ist ausschließlich auf Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufskrankheiten beschränkt. Arbeitsbedingte Erkrankungen, die keine Berufskrankheiten sind - also nicht in der BK-Liste stehen -, fallen dagegen unter den Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenversicherung.
Bei einigen Berufskrankheiten, wie z. B. beruflich bedingten Atemwegs-, Haut- oder Wirbelsäulenerkrankungen, hat der Gesetzgeber für die Entschädigung als Berufskrankheit noch eine weitere Bedingung festgelegt: Alle schädigenden Tätigkeiten müssen aufgegeben worden sein.

Das Feststellungsverfahren
In der Regel meldet der behandelnde Arzt der Berufsgenossenschaft den konkreten Verdacht, dass eine Berufskrankheit vorliegt. Doch auch wenn andere Stellen wie z. B. die Krankenkasse, der Arbeitgeber oder der Rentenversicherungsträger einen Berufskrankheiten-Verdacht anzeigen, wird die Berufsgenossenschaft tätig. Nach Eingang dieser Erstmeldung leitet sie das so genannte Feststellungsverfahren ein. Dazu das folgende Beispiel.
Peter Müller, ein 25-jähriger angestellter Bäckergeselle, stellt immer dann stärker werdende gesundheitliche Beschwerden fest, wenn er in der Backstube arbeitet, insbesondere wenn er mit Weizenmehl in Kontakt kommt. Die Nase läuft, die Augen tränen, Husten und zeitweise Atemnot machen ihm zu schaffen. Die Feinstaubmaske, die er seit einiger Zeit bei der Arbeit trägt, bringt kaum Linderung. Der hinzugezogene Lungenfacharzt äußert den Verdacht, dass Peter Müller an einer beruflich bedingten Atemwegserkrankung leidet. Er meldet diesen Verdacht der BGN.
Nach Eingang der Meldung setzt sich der Sachbearbeiter der BGN telefonisch mit Peter Müller in Verbindung. Er informiert ihn über die Möglichkeit, am Präventionsprogramm der BGN für atemwegserkrankte Bäcker teilzunehmen. Dieses Programm bietet erkrankten Bäckern die Möglichkeit, mit jeweils auf ihren individuellen Fall zugeschnittenen Maßnahmen in ihrem Beruf weiterzuarbeiten. Mit diesen Maßnahmen gelingt es in den meisten Fällen, die Erkrankung ganz einzudämmen bzw. erheblich zu lindern.
Peter Müller sieht jedoch trotz der intensiven Beratung über das Programm für sich selbst keine Möglichkeit, als Bäcker weiterzuarbeiten. Seine Beschwerden seien zwischenzeitlich immer stärker geworden. Deshalb möchte er noch einmal von vorne anfangen und sich für einen neuen Beruf umschulen lassen. Die BGN leitet daraufhin das Feststellungsverfahren ein. Der Berufskrankheiten-Sachbearbeiter schickt Peter Müller einen Fragebogen, um detaillierte Informationen über die Art der Beschwerden und den bisherigen beruflichen Werdegang zu erhalten und um zu erfahren, welche Ärzte Peter Müller wegen der Atemwegserkrankung aufgesucht hat. Die BGN braucht diese Angaben, um in einem ersten Schritt den Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der beruflichen Tätigkeit abzuklären.

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