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Bild: Ein Mann trägt einen schweren Sack über der Schulter
Belastung durch Heben und Tragen

Mit gesundem Rücken zu guten Leistungen

Die Gefährdungsbeurteilung »Heben und Tragen« hilft, dass Mitarbeiter leistungsgerecht und gesund arbeiten

von Dr. Ingo Bradl
Akzente 1/2008 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Das Heben, Tragen, Halten von Lasten gemeinsam mit der Arbeit in Zwangshaltungen kann Rücken, Nacken und Schultern belasten und zu Beschwerden und Erkrankungen führen. Das muss nicht sein. Eine Gefährdungsbeurteilung liefert Erkenntnisse über ie Belastungsfaktoren und zeigt auf, wie diese verringert werden können oder wie ein verbesserter Umgang damit erreicht werden kann.


Belastungen durch Heben und Tragen
Grundsätzlich haben Belastungen für den menschlichen Körper keine negativen Folgen. Im Gegenteil: Unser Körper ist eine einzigartige Konstruktion, die sich selbst durch Belastungen verbessert. Das ist ein Grundprinzip jedes Trainings. Wie so oft macht die Dosis das Gift. Es gibt einen optimalen Bereich, in dem Muskeln, Bänder, Knochen, Gelenke und Nerven Belas- tungen gut aufnehmen und sich darauf einstellen. Das kann durch Zunahme von Muskelmasse, aber auch durch Lernen bestimmter Bewegungsabfolgen (motorische Muster) geschehen. Außerhalb des Optimalbereichs werden Belastungen zu Fehlbelastungen. Das sind nicht nur Überlastungen. Auch eine Unterforderung schädigt das Muskel-Skelett-System, indem die Leistungsfähigkeit und damit die Belastbarkeit des Organismus gesenkt werden.
Sind die zu bewältigenden Lasten zu schwer, machen sie in aller Regel zunächst nur vorübergehend Beschwerden, die nach ausreichender Erholung zurückgehen. Ursache sind oft Muskelverspannungen oder Überlastungen der Bänder. Werden allerdings Belastungsgrenzen überschritten oder keine Erholungszeiten eingeräumt, sind Schäden am Muskel-Skelett-System die Folge. Ein häufiger Umgang mit schweren Lasten über lange Zeiträume kann zu vorzeitigen degenerativen Erscheinungen führen, z. B. Bandscheibenschäden. Unser Organismus kann auch solche Schäden teilweise ausgleichen. Der Spielraum wird jedoch immer geringer. Treten Überbelastungen als plötzliche Lastspitzen auf, sind körperliche Schäden als Folge wahrscheinlich. Möglich sind sowohl geringfügige Schäden wie ein Muskelfaserriss, als auch schwere Schäden wie Sehnenabrisse oder Knochenbrüche, die zu langfristigen Einschränkungen führen können.
Fehlen die Erholungszeiten ganz oder sind sie zu kurz, dann kommt es bei Arbeiten in Zwangshaltungen auch ohne Lastgewichte zur Muskelermüdung. Die Leistungsfähigkeit sinkt und muss durch größere Anstrengung ausgeglichen werden. Zusätzliche Muskeln greifen unterstützend ein. Zunehmende Defizite im Zusammenspiel der Muskelgruppen erhöhen das Unfallrisiko. Beschwerden wie unspezifische Rückenschmerzen können auftreten, bei langer Beanspruchung auch Funktionsstörungen. Eine ständige einseitige Belastung kann zu einem Ungleichgewicht in der Muskulatur führen. Dadurch wird das Kräftegleichgewicht im Muskel-Skelett-System verändert. Dauerhafte Fehlbeanspruchungen, besonders an Sehnen, Bändern und Gelenken einschließlich der Wirbelsäule, können degenerativen Erscheinungen Vorschub leisten.

PRAXISHILFEN
zur Gefährdungsbeurteilung Heben und Tragen
Leitmerkmalmethode:
Sie steht als interaktives Modul auf der BGN-CD-ROM zur Verfügung (unter: Praxishilfen > Gefährdungsbeurteilung > Interaktive Module). Eine mit dem Modul gekoppelte Datenbank weist technische Hilfsmittel aus, deren risikominimierende Wirkung getestet werden kann. Eine aktualisierte Fassung der Datenbank ist auf der BGN-CD-ROM, Ausgabe 2008, die im März erscheinen wird, enthalten.
Checkliste »Orientierende Beurteilung der Gefährdung bei Belastungen des Muskel- und Skelettsystems«, im Anhang 1 der BG-Information (BGI 7011) »Gesunder Rücken - Gesunde Gelenke: Noch Fragen?«. PDF hier downloaden
Eine Übersicht über weitere Verfahren steht im Internet zur Verfügung: hier


Identische Belastungen - unterschiedliche Beanspruchungen
Die Wirkung einer Belastung im menschlichen Körper heißt Beanspruchung. Eine identische Belastung führt bei verschiedenen Menschen zu ungleichen Beanspruchungen. Wie groß die Beanspruchung eines Menschen - also seine individuelle Reaktion auf eine Belastung - tatsächlich ist, hängt zuallererst einmal von seiner körperlichen Konstitution einschließlich eventueller z.B. krankheitsbedingter Einschränkungen ab. Außerdem spielen Erfahrungen beim Bewältigen der Aufgabe, erlernte Arbeitstechniken und ganz individuelle Muster im Zusammenspiel der aktiven Muskelgruppen eine wesentliche Rolle für die Höhe der Beanspruchung. Weitere Faktoren sind Umgebungseinflüsse wie Zugluft, Hitze, Lärm usw., die verschiedene Menschen in ganz eigener Weise aufnehmen und verarbeiten.
Daraus folgt: Die Gefährdungsbeurteilung ein und derselben Tätigkeit führt für jeden Beschäftigten zwangsläufig zu einem individuellen Ergebnis. Ein Verfahren, das eine solch detaillierte Beurteilung erlaubt, gibt es (noch) nicht. Es ist auch nicht möglich, exakte Grenz- oder Normwerte anzugeben, bei deren Unterschreitung eine Gefährdung definitiv ausgeschlossen ist. Aber: Es gibt orientierende Verfahren zur Einordnung von Tätigkeiten in Risikobereiche. So kann beurteilt werden, wie wahrscheinlich Gefährdungen für einen durchschnittlichen, gesunden Beschäftigten sind. Die Grenzen zwischen den Risikobereichen sind dabei nicht scharf, sondern fließend. Außerdem gibt es Checklisten, mit denen vorhandene Gefährdungen erkannt werden können. Alle Verfahren basieren auf der Voraussetzung, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit für die meisten Beschäftigten Gefährdungen ausgeschlossen oder angenommen werden können. Im Einzelfall, z.B. bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit, kann das anders aussehen. Deswegen steht bei der Gefährdungsbeurteilung an erster Stelle immer der gesunde Menschenverstand.
Die Beurteilung von Gefährdungen im Arbeitsablauf wird in aller Regel an den Parametern der Tätigkeit festgemacht. Die mechanischen Belastungen, die bei der Lastenhandhabung auf den Organismus einwirken, lassen sich durch folgende Parameter beschreiben:
  • Lastgewichte bzw. aufzubringende Kräfte
  • Haltung und Bewegung während der Lastenmanipulation
  • Häufigkeiten und Dauer der Lastenhandhabungen
  • Abfolge von Belastungs- und Erholungszeiten
Zusätzliche, nicht zu unterschätzende Einflussgrößen, die zunächst mit der Lastenhandhabung nichts oder nur wenig zu tun zu haben scheinen (so genannte Ausführungsbedingungen), sind u.a. Bewegungsfreiheit, Fußbodenbeschaffenheit, Temperatur, Beleuchtung, Zugluft, Bekleidung. Auch Belastungen durch Zwangshaltungen lassen sich durch diese Parameter beschreiben. Erste Anhaltspunkte bei der Gefährdungsbeurteilung können mit der Checkliste »Orientierende Beurteilung der Gefährdung bei Belastungen des Muskel- und Skelettsystems« gewonnen werden. Anhand von Lastgewichten und Hebehäufigkeiten wird nach aktuellen Erkenntnissen eine Gefährdung abgeschätzt. Für eine detaillierte Bewertung der Gefährdung ist die Checkliste aber nicht geeignet.

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