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Präventionspreis 2018

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Der "Heinzelmann"

BGN-Präventionspreis 2018 für Privatbrauerei Hoepfner

Er bläst in der Karlsruher Brauerei aus den liegenden Lagertanks nach dem Leerdrücken das Kohlendioxid (CO2) heraus – und senkt somit das Risiko einer lebensgefährlichen Kohlendioxidvergiftung: der "Heinzelmann". Es handelt sich um einen umfunktionierten Industriesauger, der nicht zum Saugen, sondern zum Ausblasen eingesetzt wird. Eine Idee von Braumeister Peter Bucher. Loriot lässt grüßen.

Wie viele mittelständische und kleine Brauereien setzt die Privatbrauerei Hoepfner liegende Lagertanks ein, die manuell gereinigt werden müssen. Dazu steigt ein Mitarbeiter durch das Mannloch in den Tank ein. Hierbei ist wegen der tödlichen CO2-Gefahr äußerste Vorsicht geboten.
Vor dem Einstieg wird der Tank entleert, indem er zunächst mit reinem CO2leergedrückt wird. Unmittelbar vor der Reinigung befinden sich so zunächst 100 Prozent CO2im Tankinneren. Bereits bei 10 Prozent in der Atemluft wirkt es sofort tödlich. Ein sicherer Einstieg ist erst möglich, wenn die CO2-Konzentration auf einen ungefährlichen Wert gesunken ist. Das wird mit Freimessen überprüft.

"Die üblichen Maßnahmen, um dies zu erreichen, weisen Nachteile auf", erklärt Betriebsleiter Michael Huschens. Eine häufig praktizierte Methode ist das Ausstinkenlassen – das Lüften durch Stehenlassen des offenen Tanks. Beim Aufdrücken der Mannlochtür kommt es dabei zu einer hohen CO2-Konzentration in der Umgebung des Mannlochs.
Auch wenn der Mitarbeiter - bei einer anderen Maßnahme - das Mannloch öffnet, um eine Adapterplatte zum Absaugen des Kohlendioxids einzusetzen, ist er dabei ebenfalls kurzzeitig der hohen CO2-Konzentration ausgesetzt. Außerdem kommt es zu einer hohen Raumbelastung durch CO2.

Privatbrauerei Hoepfner

Saugen statt Blasen - über ein geschlossenes System ins Freie

Braumeister Peter Bucher hatte schließlich eine Idee, wie man die manuelle Tankreinigung wesentlich sicherer gestalten konnte: mithilfe eines herkömmlichen Industriesaugers. Allerdings setzt Bucher ihn hier nicht zum Saugen, sondern zum Ausblasen ein - weshalb das Gerät in der Brauerei in Anlehnung an einen Loriot-Sketch schnell den Spitznamen "Heinzelmann" weghatte.
Und so funktioniert der Heinzelmann: Nach dem Ablassen des Überdrucks aus dem Tank ins Freie wird er an die Spritzkopfleitung angeschlossen, die von oben in den Lagertank führt. Der Auslauf des Tanks wird mit der Gelägerleitung, also die Leitung für die Althefereste, verbunden.
Nun saugt das Gerät aus dem Raum Luft an und bläst sie über die Spritzkopfleitung ins Tankinnere. Dort wird das Luft-CO2-Gemisch zusammen mit den Heferesten über den Auslauf am Tankboden in die angeschlossene Gelägerleitung gedrückt. Durch sie gelangt das Gemisch in einen ausgedienten kleinen Tank, der als Abscheider für Hefereste dient. Von dort geht es schließlich über eine Leitung am Domanschluss weiter ins Freie.

Kostengünstige und einfach anwendbare Methode

Durch den Einsatz des Heinzelmanns ist das Risiko einer CO2-Vergiftung erheblich reduziert - ebenso wie die CO2-Belastung der Raumluft in den Kellern. Bei einer Gebläseleistung von ca. 2.600 Liter pro Minute ist je nach Tankgröße die CO2-Konzentration im Tank bereits nach ein bis zwei Stunden auf unter 4 Prozent gesunken. Nach dem Abschalten des Heinzelmanns wird das Mannloch geöffnet und
bleibt wie bisher zum Lüften über Nacht offen. Das Freimessen vor dem Einstieg in einen Tank bleibt natürlich weiterhin Pflicht.

Der umgebaute Industriesauger kostet rund 1.500 Euro. Aufgesetzt auf dem Gestell mit Rollen und Griff ist er leicht transportierbar. Die genutzten Leitungen sind in den allermeisten Brauereien ohnehin vorhanden. In aller Regel auch ein alter Tank, der als Abscheider herhalten kann. Das Verfahren ist somit kostengünstig, einfach anwendbar und hat sich in der Hoepfner-Brauerei bewährt. Es kann problemlos auch in anderen Brauereien umgesetzt werden.

Der Heinzelmann
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Henning Krüger
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