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Heizstäbe in einer Fritteuse
Heizstäbe in einer Fritteuse

Trügerische Sicherheit im Fritteusenbecken

BGN-Untersuchung: Bei 4 von 5 Frittiergeräten funktioniert der Überhitzungsschutz nicht

von Dr. Karl Wickert
Akzente 2/2010 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Jede Fritteuse und jedes Fettbackgerät ist mit einem Schutztemperaturbegrenzer ausgerüstet. Er verhindert, dass das Fett zu heiß wird und sich entzünden kann. Eingebauter Brandschutz also. Dennoch kommt es bei diesen Frittiergeräten immer wieder zu Fettbränden mit zum Teil verheerenden Folgen. Wie kann das sein? Eine mögliche Erklärung liefert jetzt eine BGN-Untersuchung


Die BGN-Prävention hat insgesamt 30 Fritteusen und Fettbackgeräte unterschiedlichen Baujahrs untersucht. Ihr Interesse galt dem so genannten Übertemperaturschutzsystem. Wie verhält es sich, wenn die Grenztemperatur von 230 °C überschritten wird? Das Ergebnis war nicht erfreulich: Bei vier Fünftel (79 %) der untersuchten Geräte funktioniert der Schutz vor Überhitzung des Fettes nicht. Eine Altersabhängigkeit ist dabei nicht zu erkennen. Selbst neue Geräte sind betroffen. Seit 1984 hat jedes Frittiergerät einen Schutztemperaturbegrenzer (STB). Er bewirkt, dass die Heizung des Frittiergeräts selbsttätig abschaltet, wenn die Fett-Temperatur 230 °C übersteigt. Das ist der Fall, wenn die normale Temperaturregelung, die die Betriebstemperatur des Fetts unter 200 °C hält, ausfällt. Beide Bauelemente, Temperaturregler und Schutztemperaturbegrenzer, sind heute noch - wie bereits vor 25 Jahren - nach dem Prinzip der Ausdehnung eines Öls in einem Kapillarrohr ausgeführt. Je heißer das Öl, desto höher der Druck im Kapillarsystem. Sobald der Temperatur-Sollwert erreicht ist, werden die Schaltkontakte der Heizeinrichtung unterbrochen.

Tabelle 1


Die Crux bei dieser Bauform: Der Betreiber einer Fritteuse oder eines Fettbackgeräts kann nicht überprüfen, ob der Schutztemperaturbegrenzer in seinem Gerät funktioniert oder nicht. Denn das zeigt sich erst, wenn der Temperaturregler ausfällt und das Fett heißer als 230 °C wird. Das heißt, den Ausfall des Schutztemperaturbegrenzers kann man erst erkennen, wenn das Frittiergerät bereits brennt.

VORSICHTSMASSNAHMEN

mit denen Sie das Brandrisiko bei Ihrer Fritteuse | Ihrem
Fettbackgerät verringern

Kein überaltertes Fett verwenden
Stark verschmutztes und häufig verwendetes Fett hat einen niedrigeren Flammpunkt. Die Brandgefahr steigt.


Frittiergerät in Betrieb nie unbeaufsichtigt lassen
Bevor ein Frittiergerät brennt, kann man eine auffällige Rauchentwicklung und Farbveränderung des Fetts beobachten. Sie können dann noch schnell die Energiezufuhr unterbrechen.


Möglichkeiten zur Stromunterbrechung erkunden und kennzeichnen
Wo kann ich am Frittiergerät selbst die Stromzufuhr unterbrechen? Und ganz wichtig:
Mit welcher Sicherung in der Hausinstallation kann ich die Frittiergeräte abschalten? Diese
Sicherung kennzeichnen und den Mitarbeitern zeigen. Zu empfehlen: In sicherem Abstand zum Frittiergerät einen Hauptschalter zum Abschalten der Stromversorgung installieren lassen.


Hartfett gesondert einschmelzen
Für das Einschmelzen von Fett, das bei Zimmertemperatur fest ist, nur Frittiergeräte mit Schmelzeinrichtung verwenden. Oder: Festes Fett extern vorschmelzen.


Auf den richtigen Schutztemperaturbegrenzer (STB) achten

  • Geräte mit Baujahr 1996 oder früher: Vom Service anhand der Kenndaten überprüfen lassen, ob STB brucheigensicher ist. Nicht brucheigensichere STB austauschen.
  • Kapillarrohr des STB immer auf Beschädigungen kontrollieren. Beschädigte STB austauschen.
  • Geräte ohne STB durch ein Gerät mit STB ersetzen. Zur Risikogruppe gehören insbesondere vor 1985 hergestellte Geräte.


Im Service-Fall auch STB austauschen
Bei Austausch des Regelthermostaten immer auch STB austauschen.


Vom Hersteller vorgesehene Temperaturregelung nie manipulieren
Das Fett darf sich nicht über 200 °C erhitzen, wenn der Regler in Endposition gedreht ist.
Sonst riskieren Sie einen Brand.


STB nach jedem Auslösen austauschen
Wenn der STB angesprochen hat, lassen Sie das Gerät überprüfen und den STB austauschen.


Speziellen Fettbrandlöscher bereithalten
Fettbrände dürfen niemals mit Wasser gelöscht werden (Fettexplosion). Auch Löschdecken sind ungeeignet. Geeignet ist nur ein Löscher mit folgender Aufschrift: »Geeignet zum Löschen von Speiseöl- und Fettbränden« bzw. »Brandklasse F«.



Überhitzungsschutz


Die fehlende Testmöglichkeit des Schutztemperaturbegrenzers ist nicht mehr zeitgemäß, da das Testen wesentlicher Bestandteil der Zuverlässigkeit von Schaltelementen ist. Für neue Fritteusen ist es deshalb geboten, alternative Techniken zu entwickeln, die die Testbarkeit der Temperaturüberwachung ermöglichen. Für Geräte, die sich bereits in Betrieb befinden, kann das Risiko reduziert werden, wenn man einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet (siehe Kasten).

ERGEBNISSE

der BGN-Untersuchung zur Wirksamkeit des
Schutzsystems Übertemperatur
in Ordnung
Mängel im Schutzsystem Übertemperatur
(Kapillarbruch, Verschiebung des Schaltpunktes oder Totalausfall)
Mängel unabhängig vom Schutzsystem Übertemperatur
Kein Schutz gegen Übertemperatur
Ursache jedoch nicht feststellbar
ca. 21 %

ca. 57 %
ca. 11 %

      11 %

Kein wirksamer Schutz gegen Übertemperatur bei 79 % der Geräte


Inzwischen hat die BGN die Hersteller von Frittiergeräten eingeladen und sie über die Untersuchungsergebnisse informiert. Die Hersteller haben zugesagt, die Entwicklung einer überprüfbaren, elektronischen Temperaturerfassung zu beschleunigen. Bis es soweit ist, sollte den nebenstehenden Vorsichtsmaßnahmen besondere Beachtung geschenkt werden.

Solange der Temperaturregler intakt ist, hält er die Fett-Temperatur unter 200 °C. Ein möglicher Defekt des Schutztemperaturbegrenzers bleibt somit unerkannt.

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