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Mitarbeiter im Gespräch
Mitarbeiter im Gespräch

Gespräche ausdrücklich erwünscht

Walk and talk about safety – Pflichtprogramm für Führungskräfte bei CPKelco Germany

von Anja Wolf
Akzente 6/2009 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Sicheres Arbeiten und was dazu notwendig ist – das ist bei der CPKelco Germany GmbH in Großenbrode Dauergesprächsthema. Dass das so bleibt, dafür sorgen die wöchentlichen Sicherheitsaudits unter dem Motto »Walk and talk about safety«. Das Konzept gewann 2008 den Präventionspreis der BGN in der Kategorie »Programme, Konzepte und Systeme für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung«.


Montagmorgen bei der CPKelco Germany GmbH in Großenbrode: Vier Männer stecken in der Nasshalle die Köpfe zusammen und diskutieren ganz angeregt. Wer vermutet, sie ließen gerade das gestrige Bundesligaspiel HSV gegen Werder Revue passieren, liegt falsch. In dem Gespräch geht es um sicheres Arbeiten im Betrieb, ganz konkret um eine fehlende Arbeitsbühne für Reparaturarbeiten.
Zwei der Gesprächsteilnehmer gehören dem 24-köpfigen Vorgesetzten-Stab der CPKelco in Großenbrode an. Sie schauen heute ganz bewusst bei den Kollegen in der Nasshalle vorbei. Ihr Besuch gehört zu einem Konzept betrieblicher Sicherheitsarbeit, bei dem einmal pro Woche jeweils zwei Vorgesetzte einen Rundgang durch einen Werksteil machen. Dabei halten sie Augen und Ohren offen, sprechen mit Mitarbeitern, notieren Mängel. 20 Minuten sind für einen solchen Rundgang eingeplant, der nur einem Zweck dient: das Arbeiten im Betrieb noch sicherer zu machen.
Audits nennt man diese 20-Minuten-Rundgänge mit Gespräch bei CPKelco in Großenbrode. Sicherheitsingenieur Christian Faecks erzählt, wie es dazu kam: »Vor ein paar Jahren hatten wir vermehrt Unfälle im Unternehmen. Als wir den Unfallursachen auf den Grund gingen, stellte sich heraus, dass es uns an Kommunikation und vielleicht auch an Aufsicht mangelt.« Beides lässt sich mit Sicherheitsaudits verbessern. Und so führte das Unternehmen unter dem Motto »Walk and talk about safety« ein tägliches Audit ein. Nach 2 Jahren war die Zahl der Unfälle deutlich zurückgegangen, so dass auch der Turnus der »Safety Walks« von einmal pro Tag auf einmal pro Woche zurückgefahren werden konnte.

Safety Walks: Gut durchorganisiert
Auch die wöchentlichen Sicherheitsaudits sind für alle 24 Vorgesetzten der CPKelco nach wie vor Pflichtprogramm. Jede Woche sind 12 Teams in unterschiedlichen Betriebsbereichen unterwegs. Und auch das Management beteiligt sich an den regelmäßigen Rundgängen durch den Betrieb. Wer dabei wann und mit wem welchen Teil des Werks begeht, ist im Auditplan festgelegt, der Anfang des Jahres erstellt wird. Gedanken hat man sich auch über die Zusammensetzung der Zweierteams der Safety Walks gemacht. Sie sind bewusst gemischt besetzt mit jeweils einem Vorgesetzten aus der Verwaltung und einem vom technischen Fachpersonal. Personalleiter Olaf Winzer erklärt: »Die Mischung macht’s. Die unbekümmerten Fragen, die Fachfremde stellen, haben schon viele Aspekte aufgedeckt, die die Sicherheitsfachleute so nicht im Blick haben.«
Damit alle Rundgänger wissen, worauf sie achten müssen, um technische Defizite und Mängel im Verhalten zu erkennen und auch kommunizieren zu können, wurden sie speziell für diese Audits geschult. Die Ergebnisse ihrer Beobachtungen und Gespräche geben sie anonymisiert, ohne Angabe von Namen, in eine Datenbank ein. Christian Faecks sichtet alle Eingaben und wertet sie aus. Er entscheidet, wo Handlungsbedarf besteht, er prüft, ob die Einschätzung des Kollegen richtig ist. Die gefilterten Ergebnisse verschickt er einmal im Monat zur Kontrolle per E-Mail an die verschiedenen Abteilungsleiter.

Mitarbeiter von CPKelco

Safety Talks: gute und schnellere Lösungen
Für Christian Faecks ist das persönliche Gespräch mit den Kollegen das A und O der Safety Walks. Und hier ermuntert er sie, alles anzusprechen, was ihnen am Herzen liegt. Faecks erklärt: »Bei uns ist jeder für Sicherheit verantwortlich. Dazu gehört auch, Augen und Ohren offen zu halten und auf Schwachstellen oder Mängel hinzuweisen, damit wir ihnen auf den Grund gehen und sie beheben können.« Und das geht heute viel schneller als früher. Faecks: »Durch den unmittelbaren Kontakt zwischen Produktionsmitarbeitern und Entscheidungsträgern sind die Wege einfach viel kürzer geworden. Das trägt entscheidend mit dazu bei, dass wir Missstände schneller beseitigen können.«
Ein solcher Missstand, so erinnert sich Personalleiter Olaf Winzer, waren z.B. die verwendeten Schutzhandschuhe. Er erzählt: »Die Mitarbeiter klagten, die Handschuhe seien unbequem und deshalb würden sie sie nicht tragen. Letztendlich stellte sich heraus, dass die Handschuhe zu groß waren und deshalb die Mitarbeiter sie insbesondere bei kleinteiligen Arbeiten als lästig empfanden. Eine Schraube ließ sich zum Beispiel damit nur schlecht greifen.«
Das Schutzhandschuh-Problem war schnell gelöst: Der Betrieb schaffte eine andere Sorte an. Christian Faecks: »Die neuen Handschuhe sind zwar teurer, aber sie sitzen einwandfrei. Sie stören nicht mehr bei der Arbeit und deshalb benutzen die Leute sie jetzt auch.« Olaf Winzer ergänzt: »Die neuen Handschuhe gehen weg wie warme Semmeln. Wir haben einen ganz schönen Verbrauch, weil die Mitarbeiter sie manchmal auch gerne mit nach Hause nehmen. Aber solange sie die Handschuhe nicht im Internet verkaufen, sondern auch zuhause benutzen, ist es uns das wert.« Das findet auch Christian Faecks: »Es zeigt, dass das Sicherheitsbewusstsein in den Köpfen der Mitarbeiter angekommen ist und sie es auch nicht ablegen, wenn sie zum Feierabend das Werk verlassen.«
…talk about safety - auch mal ein Thema für eine Freizeit-Unterhaltung? Vielleicht im Anschluss an die Analyse des letzten Derbys zwischen Werder und dem HSV.

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