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Hände richtig waschen

Allgemeines zur Betriebshygiene

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Allgemeines zur Betriebshygiene

Im Zuge der Maßnahmen gegen das Coronavirus kann es vorkommen, dass Gebäude oder Gebäudeeinheiten vorübergehend nicht genutzt werden können. Die Nicht-Nutzung von Trinkwasser-Installationen kann das Risiko einer Verkeimung mit Legionellen und anderen pathogenen Keimen erhöhen. Das Coronavirus bringt also eine indirekte Gefährdung des Trinkwassers mit sich. Eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich.
Zur Erhaltung der Trinkwasserqualität im Falle von vorübergehenden Betriebsstilllegungen (z. B. in den Ferien oder bei verordneten Betriebsunterbrechungen im Zuge von Maßnahmen gegen das Coronavirus) sind Maßnahmen zu ergreifen.  
Welche Maßnahmen können Sie treffen?

  • Primär sollte die Hygiene des Trinkwassers in Trinkwasser-Installationen durch einen bestimmungsgemäßen Betrieb („normale Nutzung“) gewährleistet werden. Das bedeutet die regelmäßige Nutzung aller Wasserhähne und anderer Entnahmestellen (z. B. Duschen, Toiletten).   

  • Ist die normale Nutzung nicht gewährleistet, ist die Trinkwasser-Installation mit Hilfe eines Spülplans für die Übergangszeit zu betreiben. Der Spülplan beinhaltet, dass mindestens alle sieben Tage, besser alle drei Tage, an allen Entnahmestellen kaltes und warmes Trinkwasser entnommen und damit das in den Leitungen befindliche Trinkwasser vollständig ausgetauscht wird. 

  • Kann der Spülplan nicht umgesetzt werden, ist die Trinkwasser-Installation vorübergehend stillzulegen. Es ist hierzu die Trinkwasser-Installation an der Hauptabsperreinrichtung am Hausanschluss abzusperren und mit Trinkwasser befüllt zu lassen. Ist nur eine Gebäudeeinheit betroffen, so ist nur die entsprechende Zuleitung zur Gebäudeeinheit abzusperren.

  • Nach vorübergehender Stilllegung der Trinkwasser-Installation sind alle Entnahmestellen vollständig zu öffnen und das Wasser bis zur Temperaturkonstanz abfließen zu lassen. Überprüft wird dies, indem die Finger in den Wasserstrahl gehalten werden, bis sich die Temperatur des kalten Wassers sich nicht mehr ändert.  

  • Sollte die Trinkwasser-Installation entleert oder länger als sechs Monate im befüllten Zustand belassen worden sein, ist ein Fachinstallationsunternehmen zur sicheren Wiederinbetriebnahme zu beauftragen. Ggf. sind dann die Leitungen vor Inbetriebnahme gründlich zu spülen. Auskunft über zugelassene und qualifizierte Unternehmen erteilen die zuständigen Wasserversorger. 

Die genannten Hinweise entsprechen den Vorgaben und Empfehlungen des DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.). Kommunale Gesundheitsämter können weiterführende Maßnahmen vorgeben. 

DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.
Vorübergehende Stilllegungen von TrinkwasserInstallationen in Gebäuden
Externer Link | PDF-Datei

In der Publikation FBNG-009 „Stilllegung und Wiederinbetriebnahme von Schankanlagen bei mehrwöchiger Betriebsunterbrechung“ aus der Reihe „Fachbereich aktuell“ hat alle wichtigen Aspekte zusammengefasst.

FBNG-009 „Stilllegung und Wiederinbetriebnahme von Schankanlagen bei mehrwöchiger Betriebsunterbrechung“
Externer Link

Hier die Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR): 
„Grundsätzlich können Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Besteck oder Geschirr gelangen und auf diesen festen Oberflächen eine Zeit lang überleben.
Eine Schmierinfektion erscheint dann möglich, wenn das Virus über das Besteck oder über die Hände auf die Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen übertragen
wird. Dem BfR sind jedoch bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bekannt.“

Um die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Mindestabstände von 1,5 Meter zwischen Personen einhalten zu können, dürfen in Märkten und Verkaufsstellen nur so viele Kundinnen und Kunden anwesend sein, dass diese Abstände auch gewährleistet werden können. Sie können dies durch Zugangskontrollen gewährleisten.

Die Anzahl der Kundschaft in einem Restaurant oder in einer Verkaufsfiliale richtet sich insbesondere nach den regionalen Vorgaben der Gesundheitsbehörden und der individuellen Raumsituation. Z. B. nach der nutzbaren Fläche, der Tischanordnung, der Tischgröße sowie der regional vorgeschriebenen max. Anzahl von Gästen pro Tisch. Zur Orientierung kann folgender Wert dienen:

Maximale Anzahl = Verkaufs- / Ladenfläche [in m²] / 10 

Die Verkaufs- / Ladenfläche ist die von der Kundschaft begehbare Fläche – ohne Lagerbereiche und Sanitärräume. Sie schließt jedoch die Fläche ein, die durch Kassen, Regale und Tresen belegt sind.

Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder etwa durch importierte Bedarfsgegenstände mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für andere Coronaviren sind keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt.“

Obwohl eine Übertragung des Virus über kontaminierte Lebensmittel oder importierte Produkte unwahrscheinlich ist, sollten beim Umgang mit diesen die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und die Hygieneregeln bei der Zubereitung von Lebensmitteln beachtet werden. Da die Viren hitzeempfindlich sind, kann das Infektionsrisiko durch das Erhitzen von Lebensmitteln zusätzlich weiter verringert werden.

Diese und weitere Informationen zu einzelnen Lebensmitteln finden Sie im aktualisierten Fragenkatalog des Bundesinstituts für Risikobewertung:

Kann das neuartige Coronavirus über Lebensmittel und Gegenstände übertragen werden?
Aktualisierte Fragen und Antworten des BfR vom 27. Mai 2020
Externer Link | PDF-Datei

Für Arbeitsplätze, an denen bereits ein Hautschutzplan aufgrund von Hautgefährdungen oder Hygienevorschriften vorhanden ist, sind die dort festgelegten Maßnahmen weiterhin zu beachten und keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich.

Für Personen, die sonst keine Tätigkeiten mit erhöhter Hautbelastung ausüben, z.B. Kassenkräfte, Bürokräfte, Personen an der Information, Rezeption kann sich infolge der zusätzlichen Hygienemaßnahmen der Pflegebedarf der Hände erhöhen. Häufiges Händewaschen, die Händedesinfektion und das Tragen von Handschuhen belasten die Haut. Die konsequente Anwendung von Hautpflegemitteln zur Regeneration der Hautbarriere und Vermeidung von Hautveränderungen ist deshalb sehr wichtig.

Die Anwendung von Hautpflegemitteln ist hier, insbesondere nach Arbeitsende, besonders wichtig. Hautpflegemittel unterstützen die Regenerationsfähigkeit der Haut. Für das Eincremen nach der Arbeit und in der Freizeit sind fetthaltige Cremes zu empfehlen, um der Haut ausgewaschene Fette und Feuchtigkeit zurückzugeben.
Empfohlen wird die Anwendung duftstofffreier Produkte. Der Nutzen von Pflegemaßnahmen ist sehr hoch einzuschätzen.

Üblicherweise werden Hautpflegemittel während längeren Pausen und nach Arbeitsende aufgetragen.  Sie können aber auch zwischendurch, z.B. nach dem Händewaschen, angewendet werden.

Tipp: Beim Eincremen an Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume denken!

Werden Einmalhandschuhe verwendet, ist folgendes zu beachten:

  • Handschuhe möglichst wechseln, wenn sie innen feucht sind. Eventuell Baumwollhandschuhe unterziehen (ebenfalls rechtzeitig wechseln)

  • Nach der Benutzung Hautpflegemittel auftragen

Die Anwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemitteln unter Einmalhandschuhen wird nicht empfohlen, da für eine Schutzwirkung (Verringerung der Hautquellung, bzw. des Schwitzens) bisher keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Zudem kann je nach Zubereitungsform das Aufquellen der Haut unter dem Handschuh und das Herauslösen von Handschuhinhaltsstoffen gefördert werden.
 

Eine Reinigung von Gläsern, auch Biergläsern, im Geschirrspüler oder in Gläserspülmaschinen bei 60 Grad Celsius oder höherer Temperatur ist besonders effizient. Wo dies nicht möglich ist, sollte bei manuellen Spülprozessen möglichst heißes Wasser (> 45 °C, jedoch zum Schutz der Hände nicht höher als 50 °C) mit Spülmittel verwendet werden. Bei der Verwendung von kälterem Wasser ist in besonderem Maße auf eine ausreichende Menge des Spülmittels, längere Verweildauer der Gläser im Spülbecken sowie eine sorgfältige mechanische Reinigung und anschließende Trocknung der Gläser zu achten.

Es kann allerdings sein, dass Verordnungen in den einzelnen Bundesländern abweichende Maßnahmen fordern, dann sind diese Maßnahmen rechtlich wirksam und zu befolgen.  

Hier die komplette Einschätzung des Instituts für Risikobewertung BfR zur Frage, ob Coronaviren durch Übertragung über Trinkgefäße in der Gastronomie oder in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, wie Kantinen oder Mensen, zu Infektionen der Atemwege führen können:
Dem BfR ist eine derartige Infektionskette bisher nicht zur Kenntnis gelangt. Beim derzeitigen Ausbruch mit SARS-CoV-2 spielt der oral-alimentäre Übertragungsweg (über die Speiseröhre und den Magen) nach dem derzeitigen Stand des Wissens keine Rolle. Die hauptsächliche Übertragung erfolgt über Tröpfchen, die beim Husten und Niesen entstehen und bei anderen Menschen über die Schleimhäute des Atemtraktes, und ggf. des Auges, der Nase, oder des Mundes, aufgenommen werden. 
Eine Virus-Kontamination von Trinkgefäßen, wie zum Beispiel Trinkgläsern, in der Gastronomie müsste durch die Benutzung durch eine infizierte Person geschehen, wobei das Virus über die Hände oder den Speichel auf das Glas gelangt. Eine Übertragung auf eine andere Person durch Schleimhaut-Kontakt mit dem Glas könnte dann - theoretisch - erfolgen, wenn ein solches Gefäß zwischendurch nicht ausreichend gereinigt wurde. Allerdings sind Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bisher nicht nachgewiesen worden. 
Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, reagieren Coronaviren empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole und Tenside, die als Fettlöser in Seifen und Geschirrspülmitteln enthalten sind. Wenngleich für SARS-CoV-2 hierfür noch keine spezifischen Daten vorliegen, ist es wahrscheinlich, dass durch diese Substanzen die Virusoberfläche beschädigt und das Virus inaktiviert wird.
 

Bund und Länder haben am 15. April beschlossen, dass "jedes Unternehmen in Deutschland auch auf Grundlage einer angepassten Gefährdungsbeurteilung sowie betrieblichen Pandemieplanung ein Hygienekonzept" umsetzen muss. 
Um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen, reicht es aus, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, wie sie im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard beschrieben sind. Ergänzt und konkretisiert wird der Standard von den branchenspezifischen Hilfestellungen der BGN. Ein darüber hinaus gehendes "Hygienekonzept" in Bezug auf Corona als eigenständiges Dokument ist nicht erforderlich.

In den einzelnen Bundesländern gibt es im Rahmen der Corona-Pandemie sogenannte Hygienepläne, Auslegungshinweise oder Handlungsempfehlungen für einzelnen Branchen oder Tätigkeiten. Zu den Corona-Regelungen in den einzelnen Bundesländern. (Link zu www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-bundeslaender-1745198)

Hiervon zu unterscheiden sind die Maßnahmen zur Lebensmittelhygiene, die unverändert weiter gelten:
Für Lebensmittelunternehmerinnen und Lebensmittelunternehmer gelten die allgemeinen Hygienevorschriften des Anhangs II der Verordnung (EG) Nr. 852/2004, z. B. Anforderungen an Betriebsstätten, Räume, Personalhygiene etc., sowie ergänzende Regelungen in der nationalen Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV).
Diese Regelungen dienen dem Ziel, die einwandfreie Beschaffenheit von Lebensmitteln von der Herstellung bis zur Abgabe an den Verbraucher sicherzustellen. 
Die im Rahmen eines HACCP-Konzeptes betrieblich festgelegten Hygienemaßnahmen und Hygieneregeln sind auch weiterhin umzusetzen. Hilfestellungen bieten hier die „Leitlinien für eine gute Hygienepraxis“ für die einzelnen Branchen.

Weitere Infos zur Lebensmittelhygiene
 

Zur Gefährdungsbeurteilung im Zusammenhang mit den neuen Coronaviren sind insbesondere die Risiken des Kontaktes mit anderen Menschen während der beruflichen Tätigkeit zu betrachten. Wenn Reinigungsarbeiten während des laufenden Betriebes ausgeführt werden müssen, sollte der Einsatz so organisiert werden, dass dieser in weniger stark frequentierten Zeiten erfolgt. Die Zimmerreinigung sollte möglichst dann erfolgen, wenn kein Gast im Zimmer ist.

Auch bei der Durchführung von Reinigungsarbeiten müssen wo möglich die entsprechenden Abstandsregeln eingehalten werden (mind. 1,5 bis 2 Meter Abstand zu anderen Personen). Regelmäßiges Lüften dient der Hygiene und fördert die Luftqualität. Durch das Lüften wird die Zahl möglicherweise in der Luft vorhandener erregerhaltiger, feinster Tröpfchen reduziert. Daher sollte beim Betreten des zu reinigenden Zimmers erst gelüftet werden.

Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen sollten Mund-Nase-Bedeckungen getragen werden.Das jetzt verstärkte und häufige Händewaschen belastet die in der Regel ohnehin stark beanspruchten Hände von Reinigungskräften zusätzlich. Umso wichtiger ist es, die Haut noch sorgfältiger zu schützen und intensiv zu pflegen. Bei allen Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten sollten geeignete Schutzhandschuhe mit langen Stulpen und Stoffunterziehhandschuhe getragen werden, die innen trocken sind und bleiben. Gegen das Schwitzen im Handschuh helfen Unterziehhandschuhe aus saugfähigem Material, ein häufiger Handschuhwechsel und spezielle Hautschutzmittel. Die Hände sollten jetzt noch häufiger als sonst mit geprüften, duftstofffreien Hautpflegemitteln eingecremt werden.

Reinigungsmittel müssen auch in Zeiten von Corona nicht höher dosiert werden als angegeben. Eine zu hohe Dosierung schadet den Oberflächen, der Haut oder den Atemwegen. Bei der Verwendung gilt der Grundsatz: Wischen statt Sprühen. Werden Reinigungs- oder Desinfektionsmittel gesprüht und nicht gewischt, besteht die Gefahr, dass kleine Tröpfchen in die Atemwege der Beschäftigten gelangen, was die Schleimhaut schädigen kann. 

Der Umgang mit möglicherweise infektiösem Material (Spritzen, Abfälle, Bettwäsche, Handtücher) ist schon immer Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung im Bereich House-Keeping, siehe auch hierzu ASI 10.12 „Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe verbessern“ der BGN. Die betrieblich festgelegten Maßnahmen sind weiterhin umzusetzen.

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Reinigungsgewerbe
Externer Link | PDF-Datei
 
Hinweis: Es kann allerdings sein, dass Corona-Schutz-Verordnungen in den einzelnen Bundesländern abweichende Maßnahmen fordern, dann sind diese Maßnahmen rechtlich wirksam und zu befolgen.
 

TAD-Hotline

0621 4456 - 3517

tad_bb_praevention@bgn.de tad_bb_praevention@bgn.de

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