BGN Berufsgenossenschaft Nahrungs­mittel und Gastgewerbe
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Brand- und Explosionsschutz

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Der Fachbereich Brand- und Explosionsschutz bietet ein umfassendes Spektrum von Dienstleistungen an. Beginnend von der Quantifizierung der stofflichen Eigenschaften über die Beratung zum sicheren Anlagenbetrieb bis hin zur Prüfung von Geräten und Schutzsystemen können Sie mit kompetenter Unterstützung rechnen. 

Sind meine Stäube explosionsfähig?

Diese erste Frage sollte sich jeder Betreiber im Hinblick auf seine gehandhabten Schüttgüter stellen. Viele „Nahrungsmittelstäube“ sind in der Tat explosionsfähig, wenn sie fein verteilt in der Luft vorliegen. Genauer lässt sich diese Frage mit Hilfe einer Reihe von Kennzahlen beantworten, die die Stäube charakterisieren. Zur Beurteilung der Explosionsgefahr sollte man folgende Fragen beantworten:

 

  • Mit welchen Temperaturen sind heiße Oberflächen in der Lage den jeweiligen Staub als Wolke oder als Ablagerung zu entzünden (Glimm- und Zündtemperatur)?
  • Welche Energie muss ein Funken einer elektrischen bzw. elektrostatischen Entladung besitzen, um den aufgewirbelten Staub zur Explosion zu bringen (Mindestzündenergie)?
  • In welchen Konzentrationen muss der Staub mit Luft hierzu vermischt sein (untere Explosionsgrenze)?
  • Ab welchen Lagertemperaturen kann sich der Staub in einer großen Schüttung von selbst entzünden (Selbstentzündungstemperatur)?
  • Abhängig vom Schutzkonzept der Anlage kann es jedoch auch wichtig sein zu wissen, welcher Druck in einem geschlossenen Behälter im Explosionsfall schlimmstenfalls entstehen könnte (maximaler Explosionsüberdruck) und wie schnell der Druck dabei ansteigt (sog. Kst-Wert).

Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick darüber, welche sicherheitstechnischen Kennzahlen für das jeweils anzuwendende Schutzprinzip notwendig sind. Sie bilden das Fundament einer soliden Gefährdungsbeurteilung und können in unserem Staublabor ermittelt werden.

Tabelle: Zuordnung notwendiger sicherheitstechnischer Kennzahlen zum jeweiligen Schutzprinzip 

Sicherheitstechnische Kennzahl

Notwendig für:

Untere Explosionsgrenze

Konzentrationsbegrenzung

Glimmtemperatur

Vermeiden wirksamer Zündquellen

Zündtemperatur einer Staubwolke

Mindestzündenergie

Selbstentzündungstemperatur

maximaler Explosionsüberdruck

Dimensionierung von Druckentlastungseinrichtungen und Entkopplungsmaßnahmen

Kst-Wert

maximaler Explosionsüberdruck

Dimensionierung von Explosionsunterdrückungsanlagen

Kst-Wert

Zündtemperatur

Maximaler Explosionsüberdruck

Druckfeste Bauweise

 

Muss der Betreiber / Unternehmer das Explosionsrisiko beurteilen? 

Ja, denn dies ist die zentrale Forderung der Betriebssicherheitsverordnung. Als nationale Umsetzung der europäischen Richtlinie 1999/92/EG (sog. ATEX 137) regelt sie den Explosionsschutz im Betrieb. Eine ihrer Hauptforderungen ist die Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes, welches wiederum die Gefährdungsbeurteilung als zentralen Bestandteil enthält. 
Viele Betreiber sind mangels speziellen Fachwissens oder auch wegen knapper personeller Ressourcen nicht in der Lage, eine solide Gefährdungsbeurteilung in eigener Regie zu erstellen. Dieser Situation trägt die BGN durch verschiedenste Hilfestellungen Rechnung. Zunächst können im Rahmen von Seminaren und Workshops die Grundlagen des Explosionsschutzes gelernt bzw. bestehendes Wissen vertieft werden. Um die Auswirkungen von Explosionsereignissen realistisch einschätzen zu können, werden im Rahmen unserer Schulungen auf der Versuchsanlage in Kappelrodeck Explosionsereignisse im Großmaßstab vorgeführt. Diese Schulungen in Kombination mit den verschiedenen branchenspezifischen Leitfäden können vielen Betreibern helfen, das Explosionsrisiko ihrer eigenen Anlagen dennoch zu beurteilen. 

Bei komplexen Anlagen oder beispielsweise bei besonders zündempfindlichen Produkten, aber auch im Rahmen von Genehmigungsverfahren wird häufig externe Hilfe notwendig. Von unterstützenden Beratungsgesprächen im Betrieb, bis hin zur Erarbeitung ausführlicher Gutachten oder sogar von Explosionsschutzdokumenten stehen hier die Fachberater der BGN den Betreibern unterstützend zur Seite.

Explosionsschutz von Anfang an

Idealerweise beginnt der Explosionsschutz schon bevor eine Anlage in Betrieb genommen wird. Das betrifft insbesondere die Planungsphase, bei der die Fachberater der BGN bereits mit eingebunden werden können. Darüber hinaus greifen Maßnahmen zum Explosionsschutz schon bei der Herstellung von Geräten, Anlagen und Schutzsystemen. Hier haben Hersteller die Möglichkeit das Wissen der BGN in die Konstruktion ihrer Geräte einfließen zu lassen oder diese auch, nach deren Fertigstellung, bezüglich ihrer Explosionssicherheit prüfen zu lassen.

Analyse von Explosionsereignissen

Sollte es zu einem Explosionsereignis gekommen sein, ist die Frage nach der Ursache von fundamentaler Bedeutung, um eine mögliche Wiederholung zu verhindern. In der Regel kann der Explosions-hergang nicht ohne eine genaue Analyse nachvollzogen werden. Hierzu sind, wie oben genannt, die stofflichen Voraussetzungen (die sicherheitstechnischen Kennzahlen) zu klären, aber auch die Anlage hinsichtlich möglicher Zündquellen zu untersuchen. Dafür ist eine Betrachtung der Prozessbedingungen notwendig. Dazu kann es notwendig sein, den Prozessablauf unter möglichst realistischen Bedingungen im Labor oder auf der Versuchsanlage nachzustellen. Die Untersuchung von Schadensereig-nissen setzt somit eine enge Verzahnung zwischen Arbeiten im Staublabor und auf dem Versuchsfeld mit gutachterlichen Tätigkeiten voraus.
 

Grundlagen schaffen

Eine Häufung von Schadensereignissen an bestimmten Anlagentypen oder Wissensdefizite bezüglich bestimmter Anlagentypen sind einige Gründe, weshalb grundlegende Untersuchungen notwendig werden können. Hierfür werden und wurden in der Vergangenheit Forschungsvorhaben an praxisorientierten Problemstellungen durchgeführt. Neben o. g. interner Motivation sind auch extern motivierte Projekte wie z. B. EU-Projekte Bestandteil unserer Forschungsaktivitäten.

Dienstleistungen im Explosionsschutz

Anlagensicherheit:

  • Beratung
  • Gutachten
  • Explosionsschutzdokumente
  • Forschung und Entwicklung
  • Prüfung
  • Seminare zum Explosionsschutz


Prüflabor zur Bestimmung sicherheitstechnischer Kenngrößen brennbarer Stäube:

  • Korngrößenanalyse
  • Feuchtebestimmung
  • Staubungsverhalten (Staubungszahl)
  • Spezifischer Widerstand


Untersuchungen an abgelagertem Staub:

  • Brennprüfung
  • Glimmtemperatur
  • Selbstentzündungsverhalten
  • Exotherme Zersetzung


Untersuchungen an aufgewirbeltem Staub:

  • Explosionsfähigkeit
  • Untere Explosionsgrenze
  • Maximaler Explosionsüberdruck
  • Maximaler Explosionsdruckanstieg; KSt-Wert
  • Mindestzündenergie
  • Mindestzündtemperatur


Sonderuntersuchungen Versuchsanlage

  • Forschung und Entwicklung
  • Explosionsversuche im Maßstab 1:1
  • Prüfung
  • Zertifizierung


EG-Baumusterprüfungen für Hersteller von Geräten und Schutzsystemen nach Richtlinie 94/9/EG (ATEX) erfolgen über die europäisch benannte Prüf- und Zertifizierungsstelle für Systemsicher-heit der FSA GmbH (www.fsa.de)

Geschäftsbereich Prävention

0621 4456-3420

Allgemeine Informationen zum Geschäftsbereich Prävention

praevention@bgn.de